Warum wir Südtiroler eigentlich Österreicher sind

500 Jahre Österreich
Die Wurzeln reichen weit zurück: Seit 1363, als die Grafschaft Tirol an die Habsburger fiel, gehörte auch Südtirol für über fünf Jahrhunderte zu Österreich.
Innsbruck wurde zum politischen Zentrum, und Südtirol war eng mit Nord- und Osttirol verbunden. Dialekt, Traditionen und Alltagsleben entwickelten sich im österreichischen Kontext – weit weg von Rom.
Die Zäsur 1919
Mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain wurde 1919 eine Unrechtsgrenze am Brenner gezogen, die bis heute nachwirkt. Italien erhielt Südtirol, obwohl die Bevölkerung deutschsprachig war.
Die Südtiroler wurden zu dieser Zeit unfreiwillig zu italienischen Staatsbürgern gemacht – ohne Mitbestimmung, ohne demokratische Volksabstimmung.
Jahre der Unterdrückung
Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von Faschismus und Italienisierung. Deutsche Schulen wurden geschlossen, faschistische Ortsnamen eingeführt, deutsch-österreichische Kultur verboten.
1939 zwang die Option viele Familien zu einer schweren Entscheidung: bleiben und ihre Sprache aufgeben – oder ins damalige Deutsche Reich umsiedeln. Ein tiefer Einschnitt in das kollektive Gedächtnis der Südtiroler Bevölkerung.
Autonomie als Kompromiss
Nach 1945 hofften viele auf die Rückkehr nach Österreich. Stattdessen wurde Südtirol bei Italien belassen – jedoch mit zugesicherter Autonomie. Erst mit dem Autonomiestatut von 1972 wurde eine Lösung gefunden, die dem Land vorübergehend weitgehende Selbstverwaltung ermöglicht.
Trotzdem: Eine echte Selbstbestimmung, also die freie Wahl zwischen Österreich und Italien, gab es nie.
Wunsch nach doppelter Staatsbürgerschaft
Seit vielen Jahren wird in Südtirol die Forderung nach einer doppelten Staatsbürgerschaft laut: also neben dem italienischen auch den österreichischen Pass zu erhalten.
Befürworter sehen darin eine historische Wiedergutmachung und eine Stärkung der engen kulturellen Bindung zu Österreich. Trotz wiederholter Diskussionen in Wien und Bozen blieb die Umsetzung bislang jedoch aus.
Österreichisches Erbe im Alltag
Ob Tracht, Küche oder Brauchtum – wer durch Südtirol geht, begegnet an jeder Ecke dem österreichischen Erbe des Landes. Von Knödeln und Törggelen bis hin zum Dialekt, der dem in Innsbruck oder Salzburg nahesteht: Die kulturelle Verbundenheit zum Vaterland ist unübersehbar.
Obwohl wir Südtiroler auf dem Papier vielleicht Italiener sind, sind und bleiben wir dennoch Österreicher. Die Geschichte spricht hier eine klare Sprache: Über 500 Jahre lang waren wir Österreicher – und dieses Bewusstsein lebt bis heute fort.






