von red 22.09.2025 16:38 Uhr

Alte Tirolensien neu gelesen (Teil 65)

Josef Innerhofer behandelt in seinem Buch Treu seinem Gewissen das Leben und die Überzeugungen von Josef Mayr-Nusser, einem katholischen Südtiroler, der sich im Zweiten Weltkrieg gegen das nationalsozialistische Regime stellte und wegen seiner Prinzipien den Tod fand.

Josef Innerhofer: Treu seinem Gewissen. Das Zeugnis des Josef Mayr-Nusser 1910–1945, Innsbruck/Wien/Bozen 2016.

Neben der Betrachtung der biografischen Einzelheiten von Mayr-Nusser bietet der Autor auch Einblicke in die politische und religiöse Situation seiner Epoche. Der Lebensbericht ruft einerseits Bewunderung hervor, führt andererseits zu einer tiefen Reflexion über moralische Integrität und Widerstand gegen Unrecht. Eine Rezension von Andreas Raffeiner.

Die Bedeutung des Lebens von Josef Mayr-Nusser

Josef Mayr-Nusser, geboren am 27. Dezember 1910 in Bozen, wuchs in einer katholischen, bäuerlichen Umgebung auf. Er war ein überzeugter Katholik und hatte ein stark ausgeprägtes Gewissen. Daher stellte er im Jahr 1944 seinen Dienst in der Waffen-SS aus Überzeugung ein – dies kostete ihn das Leben.

Der Widerstand im Namen des Gewissens

Der Autor demonstriert eindrucksvoll, dass Mayr-Nusser in unterschiedlichen Aspekten seines Lebens immer wieder vor schwierigen moralischen Entscheidungen stand. Für ihn war es eine der größten Herausforderungen, den persönlichen Glauben und die politische Realität im Faschismus voneinander abzugrenzen. Für ihn war die Ablehnung des Kriegsdienstes keine politische Entscheidung, sondern eine tief verwurzelte, religiös begründete Wahl, die er mit seinem Gewissen und vor Gott rechtfertigen konnte.

Die Familie und das Privatleben als Kraftquelle

Trotz der erheblichen politischen und religiösen Herausforderungen entdeckte Josef Mayr-Nusser auch Augenblicke des persönlichen Glücks. Innerhofer beschreibt seine Familie, vor allem seine Ehe mit Hildegard Straub, als Quelle der Stärke und Unterstützung. Die familiären Bindungen des Mayr-Nusser halfen ihm, die herausfordernden Zeiten während des Krieges zu bewältigen. Trotzdem hielt er an sich und seinen Prinzipien fest, was sich als entscheidend für sein Schicksal erweisen sollte.

Der Tod und das Erbe von Josef Mayr-Nusser

Ohne Zweifel stellt die Darstellung von Mayr-Nussers Tod den Höhepunkt des Buches dar. Er verweigerte auch nach seiner Festnahme weiterhin die Eidleistung. Wegen Wehrkraftzersetzung ist er zum Tode verurteilt worden. Er verstarb am 24. Februar 1945, während der Fahrt ins Konzentrationslager Dachau, in einem Viehwaggon bei Erlangen aufgrund der Folgen seiner Haft. Mit der detaillierten Darstellung von Mayr-Nussers letzten Tagen verdeutlicht Innerhofer nicht nur dessen physisches Leid, sondern auch die spirituelle Stärke, die ihm in seiner letzten Stunde zur Seite stand.

Späte Würdigung und Seligsprechung

Mayr-Nusser wurde erst Jahrzehnte nach seinem Tod für seinen Widerstand gegen das Nazi-Regime und seine Standhaftigkeit in schwierigen Zeiten anerkannt. Seine späte Rechtfertigung und Seligsprechung werden von vielen als ein Zeichen der Wiedergutmachung und der Anerkennung des moralischen Mutes angesehen, den er in einer Zeit unvorstellbarer Grausamkeit bewies.

Fazit

Treu seinem Gewissen ist ein bedeutendes und ehrendes Buch über einen Mann, der in einer der dunkelsten Epochen der Geschichte einen strahlenden moralischen Widerstand leistete. Josef Innerhofer schafft es, das Leben von Mayr-Nusser sowie die Relevanz von Integrität, Glauben und ethischem Handeln in einer politisch turbulenten Zeit anschaulich und verständlich darzustellen. Dieses Buch leistet einen bedeutenden Beitrag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und dient als Mahnmal für all jene, die in schweren Zeiten für ihre Überzeugungen eintreten wollen.

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Josef Innerhofer: Treu seinem Gewissen. Das Zeugnis des Josef Mayr-Nusser 1910–1945, Innsbruck/Wien/Bozen 2016.

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