Jedes vierte Kind braucht Deutschförderung

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Jedes vierte Kind im Kindergartenjahr 2023/24 brauchte spezielle Deutschförderung. In Wien sind es sogar mehr als die Hälfte der Kinder, die mit einer anderen Erstsprache aufwachsen. Und trotzdem schafft es Österreich nicht, ein verbindliches, landesweit gültiges Konzept zu etablieren. Stattdessen werden von der Politik Maßnahmen verkündet, die kaum Wirkung zeigen: ein zweites Pflichtkindergartenjahr, punktuelle Aufstockungen von Sprachförderkräften oder verpflichtende Tests für Dreijährige. Das alles klingt so, als würde man aktiv werden, löst aber die strukturellen Probleme nicht.
Eine fixe Sprachförderkraft an jedem Standort mit Bedarf wäre ein logischer, pragmatischer Schritt. Kinder lernen Sprache durch Beziehung und Vertrauen, wechselnde, externe Kräfte können das nicht leisten. Doch anstatt hier verbindlich nachzuschärfen, bleibt es bei Einzelmaßnahmen, die eher an Symptombekämpfung als an eine ernsthaften Strategie erinnern.
Eltern in die Pflicht – Politik in die Verantwortung
Was in der aktuellen Debatte gerne vergessen wird: Sprache lernt ein Kind nicht im Klassenzimmer oder im Kindergarten. Sondern im Alltag, beim Vorlesen, beim Erzählen, beim Erleben. Laut Natascha Taslimi vom Netzwerk Elementare Bildung NEBÖ fehle eine klare Strategie zur Deutschförderung. Sie bringt es auf den Punkt: Viele Eltern wissen schlicht nicht, wie entscheidend es ist, von Anfang an mit ihren Kindern aktiv Deutsch zu sprechen, auch wenn sie selbst mehrsprachig sind. Diese Lücke könnte ein verpflichtender Hinweis im Eltern-Kind-Pass schließen, eine Maßnahme, die seit Jahren von der FPÖ gefordert und diskutiert, aber nie umgesetzt wird.
Wer andere Sprachen spricht, bringt ein Potenzial mit. Aber Voraussetzung ist, das Bildungssystem schafft es, Deutsch als gemeinsame Bildungs- und Pausenhofsprache konsequent und positiv zu fördern.
Österreichs Politik macht bei der Deutschförderung seit Jahren denselben Fehler: Sie reagiert mit Symbolpolitik, wo es verbindliche Strukturen und klare Verantwortlichkeiten bräuchte. Mehr qualifiziertes Personal, eine flächendeckende Strategie und die Einbindung der Eltern und Konsequenzen, wenn dies nicht passiert, sind längst überfällig.






