von ih 08.08.2025 09:42 Uhr

„Ich kann mir das nie verzeihen“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich so betrunken war.“ Worte, die nachhallen. Die 23-jährige Pia spricht heute offen über den wohl dunkelsten Moment ihres Lebens: Im Herbst 2022 verursacht sie mit 2,5 Promille Alkohol im Blut einen schweren Verkehrsunfall. Sie kommt mit dem Auto von der Straße ab und prallt gegen einen Baum. Ihre beiden Mitfahrer werden schwer verletzt – enge Freunde, für deren Leiden sie sich bis heute verantwortlich fühlt.

Pia hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrer Geschichte andere Menschen vom Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss abzuhalten. - Foto: Land Tirol/Järvinen

Nun ist Pia Gesicht und Stimme der aktuellen Verkehrssicherheitskampagne des Landes Tirol. In einem bewegenden Interview, das auf dem YouTube-Kanal des Landes veröffentlicht wurde, erzählt sie ihre Geschichte – nicht, um Mitleid zu erregen, sondern um zu warnen.

„Denkt nicht an den Führerschein oder die Strafe. Denkt an das Schlimmste, was passieren könnte“, sagt sie eindringlich. „Ihr könntet ein Menschenleben auf dem Gewissen haben.“

Schockmoment als Wendepunkt

Was als netter Abend unter FreundInnen begann, wurde für Pia zum Wendepunkt. Der Unfall veränderte ihr Leben grundlegend. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt und der schmerzhaften Aufarbeitung der Geschehnisse beschloss sie, andere aufzuklären.

Im Rahmen des vom Land Tirol unterstützten Projekts CLOSE TO spricht sie heute regelmäßig in Fahrschulen über die Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Ihr Ziel: junge Menschen schon vor dem ersten Führerschein für das Thema sensibilisieren.

„Niemand glaubt, dass es einen selbst treffen kann"

Nord- und Osttirols Verkehrslandesrat René Zumtobel lobt Pias Offenheit: „Ihre Geschichte geht unter die Haut. Niemand glaubt, dass es einen selbst treffen kann – bis es zu spät ist. Ich danke Pia für ihren Mut, öffentlich über ihre Schuld und die Folgen zu sprechen.“

Zumtobel betont die Relevanz der Kampagne, gerade angesichts der jüngsten Unfälle im Land, bei denen Alkohol oder Drogen im Spiel waren.

Neben Pias Geschichte rückt die Kampagne auch die Perspektive der Opfer in den Mittelpunkt: Bereits zu Jahresbeginn sprach eine Mutter über den Verlust ihres Sohnes, der bei einem Unfall mit einem betrunkenen Fahrer ums Leben kam.

280 Unfälle mit Alkohol oder Drogen – allein 2024

Die Zahlen unterstreichen den Handlungsbedarf: Laut aktuellen Daten gab es 2024 über 280 Verkehrsunfälle mit Verletzten, bei denen Alkohol oder Drogen die Hauptursache waren.

Besonders alarmierend: Zwar nimmt die Zahl der alkoholisierten Fahrten insgesamt ab, dafür steigt jene unter Drogeneinfluss. Laut einer aktuellen Dunkelfeldstudie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) haben 265.000 Personen angegeben, in den vergangenen zwölf Monaten unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug gelenkt zu haben – 15.000 mehr als im Jahr davor.

Auch bei weiblichen Alko-Lenkerinnen ist ein signifikanter Anstieg zu beobachten: Im Vergleich zu 2023 um 23 Prozent. Trotz rückläufiger Alko-Fahrten bleibt das Thema somit brisant.

„Voll paniert. Leben riskiert"

Die landesweite Kampagne läuft noch bis Jahresende.

Unter dem einprägsamen Slogan „Voll paniert. Leben riskiert.“ setzt sie auf breite Öffentlichkeitsarbeit: Radiospots, Kinospots, Social Media, Plakate entlang der Landesstraßen und in der Gastronomie sowie gezielte Schwerpunktkontrollen der Tiroler Verkehrspolizei begleiten die Aktion.

VIDEO ansehen!

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite