von mmh 07.07.2025 06:33 Uhr

200 Jahre Stilfser Joch: Wo Geschichte Alpen verbindet

Spektakuläres Alpenpanorama, 82 Kehren und ein Festakt, der drei Länder vereinte: Am Wochenende feierten Südtirol, die Lombardei und Graubünden das 200-jährige Bestehen der Stilfser-Joch-Straße – ein historischer Meilenstein für eine der imposantesten Passstraßen Europas.

(Foto: LPA/Gnews)

Trotz teils widrigen Wetters strömten am Wochenende vom 5. bis zum 6. Juli hunderte Besucher auf das 2.758 Meter hoch gelegene Stilfser Joch, um an einem Jubiläum teilzunehmen, das mehr war als nur eine Feier für Straßenbau-Fans. Die 200 Jahre alte Verbindung zwischen Nord und Süd wurde zum Symbol europäischer Zusammenarbeit, alpiner Identität und nachhaltiger Zukunftsvisionen.

Grenzüberschreitende Einigkeit – mitten in den Alpen

Der feierliche Festakt am Sonntag wurde von einem farbenfrohen Umzug begleitet: Über 250 Mitwirkende – Musikkapellen, Chöre, historische Kutschen, Bergretter und Skilegenden wie Gustav Thöni – verwandelten das Hochgebirge in eine lebendige Zeitreise. Besonders betont wurde dabei die verbindende Rolle der Straße zwischen den Völkern.

„Wir feiern heute nicht nur eine Straße, sondern eine Gemeinschaft“, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Das Stilfser Joch zeigt, wie Grenzen – geografische, sprachliche, nationale – überwunden werden können.“

Auch die Bürgermeister Franz Heinisch, Bürgermeister  von Stilfs und Rafael Alber Bürgermeister von Prad verwiesen auf den grenzüberschreitenden Alltag rund um den Pass: Trotz Sprach- und Kulturunterschieden ähnelten sich Herausforderungen und Perspektiven – sei es im Tourismus, in der Mobilität oder beim Erhalt der einzigartigen Natur.

Von der kaiserlichen Vision zum touristischen Motor

Erbaut wurde die Stilfser-Joch-Straße zwischen 1820 und 1825 – damals eine kühne Pionierleistung inmitten der Alpen. Heute gilt sie mit ihren markanten Kehren, den engen Tunnels und den atemberaubenden Ausblicken auf den Nationalpark Stilfser Joch als Kultziel für Motorradfahrer, Radbegeisterte und Naturfreunde aus aller Welt.

Doch mit der wachsenden Beliebtheit steigen auch die Herausforderungen. Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider betonte beim Festakt die Notwendigkeit, die touristische Attraktivität mit dem Schutz der sensiblen Hochgebirgslandschaft in Einklang zu bringen. „Die Straße bleibt ein wirtschaftlicher Motor – aber wir müssen auch der Bevölkerung gerecht werden und das Gebiet beruhigen.“

Blick nach vorn: Die Stilfser-Joch-Straße der Zukunft

Genau hier setzt die Stilfser Joch GmbH an, eine landeseigene Gesellschaft, die sich um die Zukunft der Straße kümmert. Ihr Präsident Roland Brenner stellte klar: Ziel sei es, das Joch als umweltverträgliche Hochgebirgsroute neu zu definieren. Nachhaltigkeit, sanfter Tourismus und regionale Wertschöpfung sollen künftig Hand in Hand gehen.

Dass das Jubiläum auch auf politischer Ebene Gewicht hatte, zeigte sich an der Liste der Ehrengäste: Neben Südtiroler und lombardischen Landesvertretern waren auch der Präsident des Kantons Graubünden, Marcus Caduff, sowie der Vizepräsident des italienischen Senats, Gian Marco Centinaio, mit dabei.

Ein Fest mit Zukunftsperspektive

Zwischen Alphornklängen, Oldtimern und alpiner Festtagsstimmung wurde am Wochenende nicht nur zurückgeblickt, sondern auch ein starkes Zeichen für die Zukunft gesetzt: Die Stilfser-Joch-Straße soll bleiben, was sie seit 200 Jahren ist – eine Brücke zwischen Regionen, Kulturen und Menschen.

  • (Foto: Enrico Pozzi)
  • (Foto: Enrico Pozzi)
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