Kein Respekt, kein Lernerfolg – aber alles gratis

Die Rede ist hier vom Fiasko des Wiener Gratis-Nachhilfeprogramm – vor zehn Jahren als hoffnungsvoller Beitrag zur Bildungs- und Chancengleichheit eingeführt, heute zunehmend zum Schauplatz von Resignation, Widerstand und Frust verkommen.
Der Bericht darüber im exxpress ist keine überzogene Einzelmeinung, sondern eine Zusammenstellung erschütternder Lehrerberichte. Kinder – fast ausschließlich aus Migrantenfamilien – verweigern den Unterricht, werfen Arbeitshefte weg, spotten über gestresste Pädagoginnen, erscheinen unregelmäßig oder gar nicht. Die meisten von ihnen sind zwischen zehn und zwölf Jahren alt – manche kaum alphabetisiert. Und was unternimmt das System? Es zahlt weiter.
Allein die Honorare der Lehrkräfte schlagen mit mehr als 2,2 Millionen Euro jährlich zu Buche – Infrastruktur, Materialien, Sozialarbeit und Mittagessen nicht mitgerechnet. Der Steuerzahler finanziert ein Bildungsangebot, das vielen der Beteiligten offenbar nichts bedeutet. Denn: Eine Teilnahmeverpflichtung gibt es nicht. Konsequenzen? Fehlanzeige. Die Gratiskurse werden als Recht wahrgenommen – nicht als Chance.
Wegsehen kostet – und zwar den Steuerzahler
Aber kann man Kindern wirklich vorwerfen, dass sie ein System ausnutzen, das ihnen keinerlei Grenzen aufzeigt?
Diese Frage führt zum Kern des Problems: Die Verantwortung liegt nicht bei den Kindern, sondern bei den Eltern und der Politik. Wer Lernhilfe als Alibi-Initiative betreibt, bei der Mitwirkung weder eingefordert noch überprüft wird, verspielt nicht nur öffentliche Gelder – sondern auch Vertrauen in die Integrationsfähigkeit unseres Bildungssystems.
Die Aussagen der Lehrkräfte sind dramatisch. Da ist von offener Ablehnung die Rede, von Desinteresse an der deutschen Sprache, von überforderten Lehrerinnen, die „nicht mehr können“, von Eltern, denen das Lernen ihrer Kinder gleichgültig ist. Und von Kindern, die genau wissen, dass sie „stärker als die Lehrkraft“ sind – weil sie sich kollektiv gegen Regeln und pädagogische Autorität stellen können, ohne Konsequenzen zu befürchten.
Integration braucht Grenzen - und Konsequenzen
Wer diesen Zustand nur mit einem Achselzucken abtut, verkennt das gesellschaftliche Sprengpotenzial dahinter völlig.
Denn hier geht es nicht nur um ein paar verpatzte Nachhilfestunden. Es geht um die grundsätzliche Frage, wie wir Integration leben und was wir dafür erwarten. Der Staat hat die Aufgabe, gleiche Chancen zu ermöglichen – aber nicht, Verantwortungslosigkeit zu belohnen. Integration ist keine Einbahnstraße. Wer gibt, darf auch fordern. Und zwar nicht nur Schulbesuch, sondern aktive Teilnahme, Respekt und ein Mindestmaß an Eigenverantwortung – auch von den Eltern.
Das Gegenteil ist derzeit der Fall. Die Anforderungen für Lehrkräfte wurden sogar gesenkt – weil sich kaum mehr jemand bereit erklärt, diese Kurse zu unterrichten. Ein Germanistikstudium ist nicht mehr nötig, pädagogische Erfahrung oft zweitrangig. Hauptsache, der Kurs findet statt. Ob die Kinder davon profitieren, scheint irrelevant zu sein. Ebenso, was es den Steuerzahler kostet.
Dabei gäbe es Lösungen: verpflichtende Teilnahmevereinbarungen, bei wiederholtem Fernbleiben Streichung des Platzes; enge Zusammenarbeit mit den Schulen; niederschwellige Elternarbeit mit klaren Regeln. Und vor allem: eine ehrliche öffentliche Debatte darüber, wo Integration gelingt, wo sie scheitert und: Was die Konsequenzen hieraus sein müssen!
Stattdessen wird weggesehen. Kritik wird reflexhaft mit dem Hinweis auf strukturellen Rassismus gekontert. Lehrkräfte schlagen Alarm – nicht aus Fremdenfeindlichkeit, sondern aus Verzweiflung. Weil sie gesehen haben, wie sehr ein gut gemeintes System in sein Gegenteil kippen kann, wenn Erwartungen und Realität auseinanderklaffen.
Und wir als Gesellschaft? Wir müssen uns fragen, was wir bereit sind, auf Dauer zu tragen. Pädagogisch. Finanziell. Emotional. Die Gratis-Nachhilfe Wiens ist ein Mahnmal dafür, wie Integration nicht gelingen kann und wird. Und ein Appell an die Politik, endlich den Mut zu haben, klare Spielregeln einzuführen.






