von ag 08.03.2025 10:45 Uhr

Syrien: Kämpfe mit Assad-Anhänger

Bei Kämpfen zwischen Truppen der syrischen Übergangsregierung und bewaffneten Anhängern des im vergangenen Jahr gestürzten Langzeitherrschers Bashar al-Assad ist die Zahl der Todesopfer laut Aktivisten auf mehr als 200 gestiegen. Nach den schweren Gefechten im Westen Syriens drängte Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa die Assad-Anhänger zur Kapitulation. Die alawitischen Kämpfer müssten sich ergeben, „bevor es zu spät ist“, sagte Sharaa am Freitag in einer Rede auf Telegram.

APA/AFP

Unter den Toten seien mindestens 93 Sicherheitskräfte der Interimsregierung sowie 120 bewaffnete Angreifer, berichtete die Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Die Gefechte konzentrieren sich auf das Gouvernement Latakia, eine Hochburg der religiösen Minderheit der Alawiten, der auch Assad angehört.

Nach Angriffen von Assad-Sympathisanten am Donnerstag eskalierten die Kämpfe am Freitag. In der Provinzhauptstadt kam es laut der Beobachtungsstelle auch in der Nähe zweier Krankenhäuser zu Gefechten mit Toten auf beiden Seiten. Die Opferzahlen könnten weiter steigen.

Privater Waffenbesitz soll unterbunden werden

Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle, die den Konflikt über ein Netzwerk von Informanten verfolgt, sollen zudem mehr als 160 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, von Kämpfern der neuen Machthaber exekutiert worden sein. Übergangspräsident Sharaa erklärte am Freitag, dass jeder, der Übergriffe gegen Zivilisten begehe, hart bestraft werde. Berichte über Massaker erwähnte er jedoch nicht.

In seiner Ansprache sagte Sharaa weiter: „Sie haben sich gegen alle Syrer gewandt und einen unverzeihlichen Fehler begangen. Der Gegenschlag ist gekommen.“ Sharaa erklärte bei Telegram zudem, die Übergangsregierung werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass lediglich staatliche Vertreter über Waffen verfügen. Es werde keinen unkontrollierten Waffenbesitz mehr geben. Die islamistische Übergangsregierung sprach von einem „groß angelegten“ Einsatz, der auf „die Überreste von Assads Milizen und ihre Unterstützer“ ziele.

Sorge wegen Exekutionen

Was die Hinrichtungen betrifft, erklärte die Beobachtungsstelle: „Die überwiegende Mehrheit der Opfer wurde von mit dem Verteidigungs- und dem Innenministerium verbundenen Elementen exekutiert.“ Beide Ministerien stünden unter der Kontrolle der von den Islamisten geführten Behörden. Von der Beobachtungsstelle und Aktivisten veröffentlichte Videoaufnahmen zeigten Dutzende vor einem Haus aufgestapelte Leichen in Zivilkleidung. Daneben waren Blutflecken und weinende Frauen zu sehen. Weitere Aufnahmen zeigten Männer in Militäruniform, die aus nächster Nähe auf Menschen schossen. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien, die meist nicht sofort unabhängig überprüft werden können.

Der UNO-Syrien-Gesandte Geir Pedersen äußerte sich besorgt über „sehr beunruhigende Berichte über zivile Opfer“. Er rief alle Seiten auf, von Aktionen abzusehen, die „Syrien destabilisieren und einen glaubwürdigen und integrativen politischen Übergang gefährden“ könnten.

Alawiten in der Defensive

Kämpfer unter Führung der islamistischen HTS-Miliz hatten Anfang Dezember Damaskus erobert und die jahrzehntelange Herrschaft von Assad an der Spitze eines säkularen Polizei- und Geheimdienstregimes beendet. Seit ihrer Machtübernahme hat die neue syrische Führung wiederholt versichert, die Minderheiten im Land schützen zu wollen. Die Alawiten fürchten jedoch Vergeltungsmaßnahmen gegen ihre Gemeinschaft – sowohl als religiöse Minderheit als auch wegen ihrer Treue zur Assad-Familie.

Die HTS ist aus der Al-Nusra-Front, dem syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, hervorgegangen. Sie wird vom Westen weitgehend als „Terrororganisation“ eingestuft – auch wenn sie versucht, sich ein neues, gemäßigtes Image zu geben.

APA

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite