von ak 05.12.2022 07:37 Uhr

Fußball-WM: Weitere Mannschaften im Viertelfinale

Am Sonntag hat sich Frankreich bei der Fußball-WM in Katar für das Viertelfinale qualifiziert. Der Titelverteidiger feierte im Al Thumama Stadium von Doha einen 3:1-(1:0)-Erfolg über Polen und trifft in der Runde der letzten acht am kommenden Samstag auf England, welche sich mit einem 3:0 gegen Senegal durchsetzen konnten. Somit blieb der Vize-Europameister auch im 21. Duell mit einem afrikanischen Team ungeschlagen.

Sieg für Frankreich und England; Bilder: APA/AFP; Collage: UT24

Frankreich 3:1 Polen

Goalie Hugo Lloris durfte sich über persönliche Bestmarken freuen. Der Kapitän zog dank seines 142. Länderspiel-Einsatzes mit Frankreichs Rekordteamspieler Lilian Thuram gleich und ist außerdem seit Sonntag durch seinen 17. WM-Einsatz ex aequo mit Henry und Fabien Barthez der französische Spieler mit den meisten Partien bei Weltmeisterschaften. Für Polens Star Robert Lewandowski blieb das Ehrentor in der 99. Minute aus einem Elfmeter als schwacher Trost – seine Mannschaft schied aus, obwohl sie ihre beste Leistung im gesamten Turnier brachte.

Im Gegensatz zum 0:2 im letzten Gruppenmatch gegen Argentinien trauten sich die Polen immer wieder in die Offensive und kamen auch zu Chancen, so etwa bei einem relativ knappen Lewandowski-Fehlschuss (21.). Zudem vergaben sie in der 38. Minute die Top-Gelegenheit auf die Führung: Zunächst scheiterte Piotr Zielinski aus rund elf Metern an Lloris, den Nachschuss des Offensivmanns blockte Theo Hernandez ab. Der Ball landete vor den Füßen von Jakub Kaminski, doch dessen Versuch wurde von Raphael Varane auf der Linie geklärt.

Trotz dieses Hochkaräters der Polen war Frankreich das klar tonangebende Team. Nach der heftigen Rotation gegen Tunesien (0:1) trat die „Equipe Tricolore“ wieder in Bestbesetzung an und machte von Beginn an Druck. Ein Kopfball von Varane aus guter Position verfehlte das Tor (4.), Aurelien Tchouameni (13.) und Ousmane Dembele (17.) scheiterten am neuerlich starken polnischen Schlussmann Wojciech Szczesny, Giroud traf nach Stanglpass von Dembele aus kurzer Distanz nicht ins Tor (29.) und Mbappe beförderte den Ball ins Außennetz (35.).

Kurz vor der Pause war der Bann aber gebrochen. Mbappe spielte Giroud frei und der Mittelstürmer versenkte den Ball mit seinem zweiten Kontakt im langen Eck. Sekunden später fehlte auf der Gegenseite bei Kaminskis Schuss ins Außennetz nicht viel – es sollte die letzte halbwegs zwingende Möglichkeit der Polen auf den Ausgleich gewesen sein.

Die zweiten 45 Minuten standen klar im Zeichen der Franzosen. Szczesny war bei einem Freistoß von Antoine Griezmann auf dem Posten (48.) und hatte bei einem abgefälschten Mbappe-Schuss knapp neben das Tor Glück (56.). Als die Polen immer mehr Risiko nahmen, schlug der Weltmeister entscheidend zu – Mbappe schloss einen Konter über Giroud und Dembele mit einem strammen Schuss unter die Latte ab.

Der Star von Paris Saint-Germain sorgte auch für ein weiteres Highlight, als er den Ball in der 91. Minute zum 3:0 ins Kreuzeck schlenzte. Damit hat der 23-jährige Mbappe als einziger Spieler der Geschichte vor seinem 24. Geburtstag neun WM-Tore erzielt. Immerhin blieb Lewandowski der Schlusspunkt vorbehalten – der Barcelona-Stürmer verwandelte einen von Dayot Upamecano verursachten Hand-Elfmeter im zweiten Versuch zum Endstand. Beim ersten Mal war Lewandowski wie schon gegen Mexiko am Tormann gescheitert. Der Penalty wurde aber wiederholt, weil sich Lloris von der Torlinie wegbewegt hatte.

England 3:0 Senegal

Kane beendete vor 65.985 Zuschauern zum besten Zeitpunkt seine Torflaute. Der WM-Torschützenkönig von 2018 traf zum elften Mal (7 WM, 4 EM) bei einem Großereignis und ist damit die alleinige englische Nummer eins. Zuvor hatte sich der 29-jährige Tottenham-Stürmer den Rekord mit Gary Lineker geteilt. Saka scorte nach seinem Doppelpack gegen den Iran zum dritten Mal im Turnierverlauf und ist damit hinter Kylian Mbappe (5) mit einigen anderen Akteuren – darunter sein Landsmann Marcus Rashford – Zweiter in der Schützenliste.

Die von Gareth Southgate gecoachten Engländer mussten aus “familiären Gründen” auf Stürmer Raheem Sterling verzichten. Phil Foden ersetzte ihn auf der linken Offensivseite, daneben stürmten Kane und Saka. Der dreifache Katar-WM-Torschütze Rashford saß hingegen nur auf der Bank. Beim Senegal gab es zwei Änderungen gegenüber dem 2:1-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador. Im Mittelfeld kamen Nampalys Mendy von Leicester City und Krépin Diatta von AS Monaco für den gesperrten Idrissa Gueye und Pape Gueye neu ins Team.

Der Außenseiter war von Beginn an nur darauf bedacht, hinten dichtzumachen. Die Engländer ließen den Ball in den eigenen Reihen laufen, allerdings vorerst ohne daraus Kapital schlagen zu können. Ein entscheidender tiefer Pass oder Abschluss fehlte lange Zeit völlig. Auf der anderen Seite hätte Ismaila Sarr beinahe aus dem Nichts heraus getroffen, schoss aber darüber (22.). Zehn Minuten später scheiterte Boulaye Dia nach Sarr-Vorarbeit an England-Tormann Jordan Pickford. Es war die beste Phase der Afrikaner, die sich plötzlich mehr zutrauten, was allerdings im Endeffekt in die Hose ging.

Die erste schöne Aktion der Engländer führte gleich zum Erfolg. Sie kombinierten wie so oft über links nach vorne und nach Zuspiel des überragenden Jude Bellingham vollendete Henderson in der Mitte aus rund elf Metern. Damit kam das Offensivwerk des Favoriten ins Laufen. Kane traf den Ball nach Saka-Hereingabe noch nicht richtig (41.), Luke Shaw zögerte beim Abschluss zu lange (43.). Die Vorentscheidung wurde trotzdem noch vor dem Seitenwechsel nach einem Konter herbeigeführt. Bellingham erkämpfte sich in der eigenen Hälfte den Ball, bediente Foden und dessen Zuspiel verwertete Kane diesmal aus bester Position sicher.

Vor dem dritten Treffer hatte neuerlich Foden seine Beine im Spiel. Diesmal gab er in die Mitte zu Saka, der ebenfalls kaltschnäuzig verwertete. Der Senegal konnte nicht nachlegen, nicht einmal der Anschlusstreffer lag in der Luft. Da merkte man deutlich, dass der schon vor der Endrunde verletzte Superstar Sadio Mane fehlte. Damit verabsäumte es der in der Gruppenphase nach einem 0:2 gegen die Niederlande gegen Gastgeber Katar (3:1) und Ecuador (2:1) siegreich gebliebene Afrikameister, 20 Jahre nach dem WM-Viertelfinal-Einzug wieder einmal in die Runde der letzten acht vorzustoßen.

England ist hingegen weiter nach Plan unterwegs, nach drei Siegen und einem Remis steht ein Torverhältnis von 12:2 zu Buche. Will man zumindest so weit kommen wie 2018, wo man Vierter war, müssen nun Mbappe und Co. aus dem Weg geräumt werden. Eine Mammutaufgabe.

APA/UT24

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