von fe 10.03.2019 20:46 Uhr

Mizzi Horacks Ringen um die Gleichberechtigung der Geschlechter

Günther Rauch erinnert an die Geschichte von Mizzi Horack in ihrem Ringen um die Gleichberechtigung der Geschlechter vor 100 Jahren.

Zum Anlass des Internationalen Tag der Frau erzählte am 7. März im Hörprogramm der RAI Südtirol „Unser Land“ der frühere Gewerkschaftsvorsitzende und Heimatforscher Günther Rauch über die Geschichte der Vilpianer Stationschefin Mizzi Horak. Die gebürtige Wienerin war im Juli 1902 im jungen Alter von 24 Jahren weltweit in die Schlagzeilen geraten, weil sie die erste Frau war die in der Denaumonarchie den wichtigen Posten eines weiblichen Stationchefs bekleidet hatte. Die Entscheidung für ihre Aufnahme hatte die Direktion der privaten Eisenbahngesellschaft der seit 1881 bestehenden „Bozen-Meraner Bahn“ im Einvernehmen mit dem Eisenbahnministerium in Wien getroffen.

Nach Absolvierung verschiedener Fachberüfungen mit den besten Noten und eines längeren Praktikum bei der „Bozen-Meraner-Bahn“ in Untermais, stand ihrer „interimistischen“ Einstellung im Sommer 1902 als Stationschefin von Vilpian nichts mehr im Wege.

Mizzi Horak gefiel das Leben in Vilpian, das von regen wirtschaftlichen Tätigkeiten, der Landwirtschaft, Seidenraupenzucht, Bierbrauerei und dem Schwefelbad geprägt war. Sie hatte sich außerordentlich gut in den Eisenbahndienst eingearbeitet. Von der Bevölkerung brachte man ihr vielerseits Vertrauen entgegen. Die Vorbehalte kamen von den in den hohen Ämtern sitzenden Eliten, die der Meinung waren, dass die Frau ins Haus, und wenn es schon sein musste, an den Schreibtisch oder an den Bahnschalter gehöre. Stockkonservative und kirchennahe Kreise in Bozen hatte bereits vor ihrer Einstellung ihre Ernennung zum „weiblichen Stationschef“ zu verhinderrn versucht. Zum Sprachrohr dieser hiesigen Frauengegner hatte sich das mächtige Wiener Kriegsministerium ins Spiel gebracht. Sie waren gegen einen weiblichen Stationschef, „weil „Frauen in einer selbständigen verantwortlichen Stelle im Eisenbahndienste nicht geeignet“ seien. Günther Rauch hat bei seinen Recherchen – die er bereitsw im Juli 2018 in der „Die Südtiroler Frau“ publiziert hatte – über die Vilpianer Bahnwächterin auch herausgefunden, dass sogar die beiden Possenschreiber Ludwig Bruckner und Heinrich Wickel nichts Besseres zu tun als eine dreiaktige Posse mit Gesang „Fräulein Stationchef“ zu schreiben. Das Bühnenstück gelangte seit Juli 1903 im Raimundthater mehrmals zur Aufführung. Fraurenrechtlerinnen haben an diesem Bühnenstück kein gutes Haar gelassen.

Dem „ersten Frauenexperiment“ in Vilpian folgte in Tirol die Aufnahme einer weiblichen Stationchefin bei der Mendelbahn und bei der Achenseebahn sowie von Zugführern und Schaffnerinnen bei den städtischen Trambahnen.

Nach mehr als vier Jahren, nachdem die private „Bozen-Meraner-Bahn“ in den staatlichen Eisenbahnbebetrieb übergangen war, gehörte auch das „Fräulein Stationschef“ der Vergangenheit an. Mizzi Horak am 23. Juni 1906 den Arbeitsdienst bei Bahn beenden. Eine Woche danach wurde Mizzi Horack degradiert und in die nach Meran in den Gebäckskassadienst und später nach Wien versetzt, wo sie den Dienst einer Beamtin in einem Stationsbureau zu versehen hatte. Mit der Motivierung, dass im Reglement für der Eisenbahnbediensteten die Stelle eines „weiblichen Stationschef“ nicht vorgeshen sei. Gegen die evidente Diskriminierung von Mizzi Horack erhob der Allgemeine Österreichische Frauenverein (AÖFV) energischen Protest. Der Fall Mizzi Horack wurde zur Symbolfigur und zum Paradebeispiel weiblicher Benachteiligung.

Die Sendung „UnserLand“ mit der Geschichte von Mizzi Horak wird im Hörfunkprogramm der RAI Südtirol am Samstag, 9. März um 10.05 Uhr und am Sonntag, 10. März um 14.00 Uhr wiederholt. Nachhören kann die Sendung auch im Podcast der RAI.

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