Welche Menschen besonders gute Geschäftsideen entwickeln

Für die Untersuchung analysierte ein Forschungsteam rund um den Managementforscher Prof. Thomas Maran insgesamt 208 Fach- und Führungskräfte sowie Unternehmer aus Südtirol und dem gesamten Alpenraum. Alle Teilnehmer verfügten über Erfahrung in innovationsnahen Bereichen.
Nicht die meisten Ideen überzeugen
Im Rahmen der Studie wurden unter anderem Persönlichkeit, kreative Erfahrung sowie divergentes und konvergentes Denken untersucht. Anschließend sollten die Teilnehmer möglichst viele Geschäftsideen rund um die Technologie Augmented Reality entwickeln.
Aus diesen Ideen wählten sie jeweils eine aus und entwickelten daraus ein Geschäftsmodellkonzept. Die Qualität der Konzepte wurde anschließend von erfahrenen, technologieorientierten Risikokapitalgebern bewertet. Dabei spielten unter anderem Innovationsgrad, Profitabilität und Investitionswürdigkeit eine Rolle.
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Unterschied zwischen der Menge und der Qualität von Ideen. Menschen mit stark ausgeprägtem divergentem Denken entwickelten zwar besonders viele unterschiedliche Lösungsansätze. Ihre ausgearbeiteten Geschäftskonzepte erhielten von den Investoren jedoch keine besseren Bewertungen.
Drei Merkmale stechen hervor
Anders fiel die Bewertung bei Personen mit ausgeprägtem konvergentem Denken aus. Darunter versteht die Studie die Fähigkeit, unterschiedliche Informationen miteinander zu verbinden und daraus eine Lösung zu entwickeln, die mehrere relevante Kriterien erfüllt.
Auch eine hohe Offenheit für neue Erfahrungen stand mit besseren Bewertungen der Geschäftskonzepte in Zusammenhang. Gleiches galt für Personen mit langjähriger Erfahrung in kreativen Tätigkeiten.
Dazu zählten nicht ausschließlich berufliche Tätigkeiten. Auch Erfahrungen in Bereichen wie Musik, Literatur, Sport, darstellender Kunst sowie Wissenschaft und Technik wurden berücksichtigt.
Damit ließen sich laut Studie drei Personenmerkmale identifizieren, anhand derer sich die Qualität von Geschäftsideen vorhersagen lässt.
„Nicht möglichst viele Ideen“
„Gefragt sind nicht möglichst viele Ideen, sondern die wenigen wirklich guten: jene, die ein Kundenproblem lösen, wirtschaftlich tragfähig und eine Investition wert sind“, erklärt Thomas Maran.
Gerade in der Innovationsforschung seien die Fähigkeit, viele Ideen zu entwickeln, und die Fähigkeit, daraus eine hochwertige Geschäftsidee auszuwählen und auszuarbeiten, bisher häufig nicht ausreichend voneinander getrennt worden.
Die Ergebnisse könnten laut Maran auch für das Kompetenzmanagement von Unternehmen relevant sein. Methoden wie Design Thinking, Innovationslabs oder Hackathons könnten Innovationsprozesse strukturieren und unterstützen. Entscheidend seien jedoch zunächst die entsprechenden Personen und anschließend die passenden Prozesse.
Welche Köpfe Unternehmen brauchen
Bei der Besetzung von Positionen, in denen neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsfelder entwickelt werden sollen, könnten neben Ausbildung und Berufserfahrung daher auch Eigenschaften wie Offenheit, konvergentes Denken und kreative Erfahrung berücksichtigt werden.
Zu wissen, welche Kompetenzen ein Unternehmen künftig benötigt, sei laut Maran ein zentraler Bestandteil eines guten Kompetenzmanagements.
„Damit Unternehmen über die Kernkompetenzen verfügen, die sie brauchen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, muss der Anspruch lauten: Die unternehmerischsten Köpfe zu uns“, so der Professor der Freien Universität Bozen.






