Wenn der Herbst durchs Gassl zieht

Vom 18. bis 20. September verwandelt sich die historische Altstadt von Klausen in eine große Törggelestube unter freiem Himmel. An den Ständen der örtlichen Vereine kommen Klassiker der Südtiroler Küche auf den Tisch: Knödel und Schlutzkrapfen, Hauswurst und Surfleisch mit Kraut, Krapfen, Strauben und natürlich gebratene Kastanien. Dazu gibt es die typischen frischen Weißweine aus dem Eisacktal.
Los geht es am Freitag mit einer Herbst-Modeschau der Törggeleköniginnen um 18:00 Uhr auf dem Marktplatz. Anschließend zieht die Gemeinschaftskapelle Klausen, Latzfons und Gufidaun durch die Altstadt zum Tinneplatz, wo das Fest feierlich eröffnet und in diesem Jahr auch die neue Klausen-Hymne vorgestellt wird. Am Samstag gehört die Stadt von Vormittag bis spät in die Nacht den Törggelefreunden. Am Sonntag folgen der RAI-Südtirol-Live-Frühschoppen mit Norbert Rabanser und als einer der Höhepunkte der große Umzug durch die Altstadt.
Programm:
Freitag, 18. September 2026
• 17.00 – 01.00 Uhr Festbetrieb
• 18.00 Uhr Herbst-Modenschau mit den Törggeleköniginnen am Marktplatz
• 18.45 Uhr Einzug der Gemeinschaftskapelle Klausen–Latzfons–Gufidaun vom Marktplatz zum Tinneplatz, anschließend feierliche Eröffnung mit Präsentation der neuen Klausen-Hymne
Samstag, 19. September 2026
• 10.30–01.00 Uhr Festbetrieb
Sonntag, 20. September 2026
• 10.30–20.00 Uhr Festbetrieb in der Klausner Altstadt
• 11.00 Uhr RAI Südtirol Live Frühschoppen mit Norbert Rabanser
• 16.00 Uhr Traditioneller Törggeleumzug durch die Klausner Altstadt
Königliche Botschafterin des Törggelens
Mit dabei ist auch die amtierende Törggelekönigin Sara Rabensteiner vom Pinznonerhof in Barbian. Sie wurde beim Jubiläums-Gassltörggelen 2025 zur 18. Törggelekönigin gekürt und repräsentiert die Tradition bis 2027.
Das Amt ist mehr als ein schöner Titel: Eine Törggelekönigin kennt ihre Heimat, die Geschichte des Brauchs und die „drei Guatn“ der Region – Traube, Kastanie und Zwetschke. Sara ist auf einem Hof in Barbian zuhause, hilft bei der Kastanienernte mit und widmete sogar ihre Diplomarbeit der Kastanie.
Törggelen dort, wo es zuhause ist
Seinen Ursprung hat das Törggelen im Eisacktal. Der Name leitet sich von der „Torggl“, der früheren Weinpresse, ab. Nach der Weinlese wurde der junge Wein verkostet, dazu kamen einfache bäuerliche Gerichte. Daraus entwickelte sich jener Brauch, der bis heute untrennbar zum Südtiroler Herbst gehört.
Ein klassischer Törggeleabend beginnt etwa mit Speck und Käse oder einer Suppe, danach folgen Schlutzkrapfen, Knödel, Hauswürste, Surfleisch und Kraut. Zum Abschluss dürfen süße Krapfen und geröstete Kastanien nicht fehlen. Besonders schön wird das Ganze, wenn man sich den Appetit vorher erwandert. Rund um Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders führen Wege durch Weinberge, Kastanienhaine und bäuerliche Kulturlandschaft zu Höfen und Buschenschänken.
Alte Produkte, neu entdeckt
Dass im Herbst nicht nur Wein und Kastanien Geschichten erzählen können, zeigt der Verdingser Birmehlherbst vom 21. bis 27. September. Der Höhepunkt ist der Birmehl-Sunntig am 27. September. Im Mittelpunkt steht eine Spezialität, die früher in vielen bäuerlichen Küchen selbstverständlich war und heute beinahe in Vergessenheit geraten ist: Birmehl.
Dafür werden reife Birnen getrocknet und anschließend fein vermahlen. Das leicht süßliche Mehl wurde früher zum Backen und Süßen verwendet. Während des Birmehlherbstes rückt dieses traditionsreiche Produkt wieder auf die Teller. Die teilnehmenden Betriebe interpretieren Birmehl auf unterschiedliche Weise und zeigen, wie vielseitig die alte Zutat bis heute ist.
Wenn sich alles um die Kastanie dreht
Spätestens im Oktober übernimmt dann die Kastanie die Hauptrolle. Vom 17. Oktober bis 8. November stehen bei den Feldthurner Keschtniglwochen Genuss, Landschaft und bäuerliche Tradition ganz im Zeichen der „Keschtn“. Die Kastanie prägt die Gegend rund um Feldthurns seit Jahrhunderten. Alte Kastanienhaine gehören hier ebenso zum Landschaftsbild wie Bauernhöfe und Weinberge. Während der Keschtniglwochen lässt sich dieses Kulturgut bei geführten Wanderungen, Verkostungen und Veranstaltungen ebenso erleben wie auf den Tellern der teilnehmenden Gastbetriebe bei den Eisacktaler Kastanienwochen.
So schmeckt der Herbst im südlichen Eisacktal: nach Kastanien und jungem Wein, nach Birnen, bäuerlicher Küche und alten Rezepten, die bis heute weiterleben. Vor allem aber nach einer Tradition, die hier nicht eigens inszeniert werden muss. Sie gehört einfach dazu. Für viele Einheimische und Gäste ist sie längst die genussvollste Seite des Südtiroler Herbstes.
(Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit TG Klausen)






