Warum der Herbst oft aufs Gemüt schlägt

Der Auslöser ist das Licht, oder besser gesagt dessen Fehlen. Wenn die Tage kürzer werden, trifft weniger Tageslicht auf die Netzhaut. Das wiederum beeinflusst die Zirbeldrüse im Gehirn, die daraufhin vermehrt Melatonin ausschüttet, also jenes Hormon, das uns müde macht. Gleichzeitig läuft die Produktion von Serotonin herunter, dem sogenannten Glückshormon, das für Antrieb, Stimmung und Wachheit zuständig ist. Dieses Ungleichgewicht ist der Grund, warum sich viele Menschen im Herbst schlapper und gereizter fühlen, obwohl sie ausreichend geschlafen haben. Die Müdigkeit ist damit gewissermaßen eine abgeschwächte Form des Winterschlafs beim Menschen.
Zu den häufigsten Beschwerden zählen anhaltende Müdigkeit, Antriebslosigkeit, innere Unruhe und Stimmungsschwankungen. Manche berichten zusätzlich von Konzentrationsproblemen oder Schlafstörungen.
Ein bekanntes Phänomen ist außerdem der Heißhunger auf Süßes und Kohlenhydrate. Auch das hat einen Grund: Der Körper versucht damit, die Serotoninproduktion anzukurbeln. Gesund ist diese Strategie allerdings nicht, und bei wenig Bewegung führt sie rasch zu zusätzlichen Kilos.
Was hilft
Das wirksamste Mittel ist zugleich das einfachste: Licht. Fachleute raten, täglich mindestens eine halbe Stunde nach draußen zu gehen, am besten mittags, wenn die Sonne am höchsten steht. Selbst an bewölkten Tagen ist das natürliche Licht draußen um ein Vielfaches heller als Kunstlicht in Innenräumen.
Ebenso wichtig ist Bewegung. Sie regt die Ausschüttung von Serotonin, Dopamin und Endorphinen an und wirkt damit als natürlicher Stimmungsaufheller. Schon ein zügiger Spaziergang oder leichtes Yoga genügt, besonders wirksam ist Bewegung am Morgen.
Wer beruflich kaum ins Freie kommt, kann auf eine Tageslichtlampe zurückgreifen. Solche Geräte erreichen bis zu 10.000 Lux und imitieren damit das Sonnenlicht. Hilfreich sind außerdem feste Aufsteh- und Zubettgehzeiten, eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch sowie soziale Kontakte. Selbst Lachen wirkt, weil auch dabei Serotonin ausgeschüttet wird.
Wann es mehr als ein Stimmungstief ist
Ein zeitweiliges Tief im Herbst ist normal und harmlos. Es gibt aber Grenzen, ab denen man aufmerksam werden sollte. Von einer echten Depression unterscheidet sich der Herbstblues typischerweise dadurch, dass Betroffene mehr schlafen, mehr essen und zunehmen, während bei einer Depression eher Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Schlafmangel im Vordergrund stehen.
Halten die Beschwerden aber über Wochen an, verstärken sie sich oder beeinträchtigen sie den Alltag deutlich, sollte man ärztlichen Rat einholen. Denn aus einer saisonalen Verstimmung kann sich im ungünstigen Fall eine behandlungsbedürftige Depression entwickeln.






