Seiser Alm: Neue Straße sorgt für heftige Kritik

Wie besorgte Umweltscouts dem Dachverband meldeten, rückten rund um Ferragosto die Bagger an. Auf dem Gemeindegebiet von Kastelruth wurde eine neue Zufahrt zu einer privaten Hütte gebaut.
Die Straße führt laut Dachverband durch artenreiche Feuchtwiesen und verläuft in unmittelbarer Nähe des Feuchtbiotops Col da Fil.
Für Elisabeth Ladinser, Vorsitzende des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz, ist der Eingriff nicht nachvollziehbar. Die Seiser Alm sei bereits bestens erschlossen. Dennoch sei für ein privates Einzelinteresse eine weitere Straße durch wertvolle Landschaft gebaut worden.
Der Nutzen einer zusätzlichen Zufahrt zu einer einzelnen Hütte, die überwiegend zur Sommerfrische genutzt werde, stehe laut Ladinser in keinem Verhältnis zu den dauerhaften Eingriffen in das Landschaftsbild und den möglichen Beeinträchtigungen der Biodiversität.
Kritik am weiteren Straßenbau
Grundsätzlich fordert der Dachverband ein Umdenken beim Flächenverbrauch. Südtirol sei infrastrukturell bereits mehr als ausreichend erschlossen.
„Es gibt praktisch keinen weiteren Straßenbau mehr, der ohne relevante Schäden an unserer Mitwelt auskommt“, erklärt Ladinser. Die Zeit, in der jede zusätzliche Straße als Fortschritt gegolten habe, sei vorbei.
Besonders auf der Seiser Alm sieht der Dachverband Handlungsbedarf. Das Gebiet habe einen hohen ökologischen Wert und stehe gleichzeitig unter starkem menschlichem Druck. Deshalb müsse der Schutz der noch vorhandenen Lebensräume Vorrang haben.
Forderungen für den neuen Gebietsplan
Im Zuge der Überarbeitung des Gebietsplans hat der Dachverband eine eigene Stellungnahme eingebracht. Darin werden unter anderem strengere Regeln für die Ausbringung von Gülle und ein ökologisch verträglicheres Weidemanagement gefordert.
Besonderes Augenmerk legt der Dachverband dabei auf Pferdeweiden. Gleichzeitig soll auf weiteren Straßen- und Wegebau verzichtet werden.
Darüber hinaus fordert der Verband Maßnahmen zur Entsiegelung und Renaturierung, ein nachhaltigeres Mobilitätskonzept sowie den Rückbau von Parkplätzen.
Puflatsch- und Hartlwiesen im Fokus
Auch weitere ökologisch wertvolle Flächen stehen im Mittelpunkt der Forderungen. Dazu gehören die Puflatsch- und Hartlwiesen. Für diese Gebiete hatte der Dachverband bereits 2024 die Ausweisung als Biotop beantragt.
Zudem unterstützt der Verband die Forderungen von Nosc Cunfin nach einem besseren Schutz des Langkofels und einer Erweiterung des Naturdenkmals Steinerne Stadt.
„Artenvielfalt entscheidend verbessern“
Hanspeter Staffler, Geschäftsführer des Dachverbands, sieht in der Überarbeitung des Gebietsplans eine wichtige Möglichkeit für den Naturschutz.
Die Chance müsse genutzt werden, um die Artenvielfalt in der besonderen Landschaft der Seiser Alm nicht nur zu erhalten, sondern „entscheidend zu verbessern“, so Staffler.






