„Wenn der Bäcker aufgibt, verliert das ganze Dorf“

Markus Hofer, der „DorfBeck“ von Laas, betreibt nach eigenen Angaben die kleinste Meisterbäckerei Südtirols. In einem offenen Brief an Landeshauptmann Arno Kompatscher schildert er seine dramatische Lage: „Die Landespolitik nimmt uns Kleinstbetrieben systematisch die Luft zum Atmen. Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, und wenn sich nichts ändert, gehört mein Betrieb bald zu den nächsten, die für immer zusperren müssen.“ Für sein kleines Geschäft mit angeschlossener Backstube zahle er mittlerweile 2.000 Euro Stromkosten im Monat, in der Spitze seien es sogar fast 5.000 Euro gewesen. „Die Situation ist so dramatisch, dass ich mir seit sechs Jahren keine Renteneinzahlung mehr leisten kann“, schreibt Hofer. Er arbeite sich jede Nacht die Finger wund, nur um am Monatsende die Fixkosten und die Energiekonzerne zu bedienen, „während ich selbst sehenden Auges in die Altersarmut getrieben werde.“
Besonders bitter sei das angesichts der Geschichte des Vinschgaus. Die Menschen von Alt-Graun mussten einst für den Reschensee von Haus und Hof weichen, damit Stauseen und Kraftwerke gebaut werden konnten. Und heute fahre der landeseigene Energiekonzern Alperia Rekordgewinne ein, während die Einheimischen „Gaspreise“ für den eigenen Wasserkraftstrom zahlen müssten. Hofer fordert einen geschützten Landestarif für Handwerk und Nahversorger sowie Entlastungen bei den Sozial- und Rentenbeiträgen für Kleinstbetriebe.
Robin solidarisiert sich
Für den Verbraucherschutzverein Robin ist der offene Brief ein eindringlicher Hilferuf, der nicht ungehört bleiben dürfe. Der Verein solidarisiert sich mit dem Kleinunternehmer, denn was Hofer beschreibe, sei kein Einzelfall. Gerade kleine Handwerksbetriebe, Nahversorger und familiengeführte Unternehmen kämpften mit hohen Energie-, Personal- und Betriebskosten.
Robin-Geschäftsführer Walther Andreaus wundert sich, dass der Aufschrei nicht viel größer ist: „Es kann nicht sein, dass Kleinbetriebe von einem Monat auf den anderen 5.000 statt 2.000 Euro für Strom zahlen müssen, weil irgendwo internationale Krisen den Gaspreis in die Höhe treiben.“ Die Wasserkraft, aus der Südtirol seinen Strom gewinnt, sei von diesen Krisen gar nicht betroffen. „Das Autonomiestatut würde uns die Werkzeuge für eine Strompreiskontrolle geben. Es ist Zeit, sie zu nutzen“, so Andreaus.
Forderung an die Landesregierung
Wenn der Nahversorger verschwinde, verschwinde mehr als nur ein Geschäft, warnt Robin: Es gehe um Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung, Lebensqualität und die Lebendigkeit der Dörfer. Der Verein fordert die Landesregierung deshalb auf, die Sorgen der Kleinstbetriebe ernst zu nehmen und eine offene Diskussion über die Energiepolitik und die Nutzung des Wasserkraftvorteils zu führen. „Wir dürfen nicht erst dann über den Erhalt unserer Dörfer sprechen, wenn der letzte Bäcker, Handwerker oder Nahversorger zugesperrt hat“, betont Andreaus. „Wer die kleinen Betriebe erhalten will, muss dafür sorgen, dass sie wirtschaftlich überleben können.“






