von mmh 11.08.2026 14:37 Uhr

Intelligente Bewässerung: So spart Südtirol jetzt Wasser

Die zunehmende Trockenheit stellt die Landwirtschaft vor immer größere Herausforderungen. Auf dem Moarhof in Meran-Labers wird deshalb ein neues Bewässerungssystem erprobt, das Wasser nur dann einsetzt, wenn die Pflanzen es tatsächlich benötigen. Das sensorgesteuerte Verfahren könnte damit einen wichtigen Beitrag zu einer klimaresilienten Landwirtschaft leisten.

In der sensorbasierten Bewässerung auf dem landeseigenen Gutshof Mair am Weg oder Moarhof in Labers oberhalb von Meran arbeiten das Hauptventil (im Bild) und die Steuerventile mit dem mitten in der Apfelanlage platzierten Sensor zusammen. (Foto: LPA/Maja Clara)

Der Agrarbetrieb Laimburg der Agentur Landesdomäne setzt das System mittlerweile in seinen Gutshöfen ein. Bei einem Ortsaugenschein am Moarhof oberhalb von Meran wurde das Verfahren kürzlich rund 50 Mitgliedern des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen vorgestellt.

Sensor entscheidet über Bewässerung

Auf einer rund 4000 Quadratmeter großen Apfelanlage wird das System als Pilotprojekt eingesetzt. Bereichsleiter Stephan Raffl, der den Agrarbetrieb Laimburg seit nahezu zehn Jahren leitet, erklärt das Prinzip: Die Bewässerung soll nicht mehr nach einem festen Zeitplan erfolgen, sondern abhängig vom tatsächlichen Wasserbedarf der Pflanzen.

Dafür kommt ein Tensiometer zum Einsatz. Das mit Wasser gefüllte Messgerät befindet sich an der trockensten Stelle der Anlage. Sinkt das Wasser im Rohr, misst der Sensor den dabei entstehenden Unterdruck. Wird ein festgelegter Schwellenwert erreicht, öffnet sich automatisch ein Ventil und die Tropfberegnung beginnt.

„Dieses innovative Konzept ist europaweit einzigartig“, erklärt Raffl. Ziel sei es, Automatisierung und Sensorik miteinander zu verbinden und die Bewässerung nur dann einzuschalten, wenn der Boden tatsächlich trocken ist.

Mehr als 50 Prozent Wasser gespart

Das Potenzial des Systems ist laut Agrarbetrieb erheblich. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Turnusbetrieb könne der Wasserverbrauch in der Pilotanlage um mehr als 50 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig würden die gleiche Menge und eine hohe Qualität bei den Äpfeln erzielt.

Auch Betriebsleiter Max Mitterhofer, der seit fünf Jahren für den Gutshof Mair am Weg – den sogenannten Moarhof – verantwortlich ist, sieht positive Auswirkungen. Der Baumwuchs in der Anlage sei ausgeglichen, was ebenfalls auf die gezielte Bewässerung zurückgeführt werde.

  • Betriebsleiter Max Mitterhofer (links) und Bereichsleiter Stephan Raffl erklären das sensorbasierte Bewässerungssystem bei einem der landeseigenen Gutsbetriebe, dem Moarhof in Labers. (Foto: LPA/Maja Clara)

Äpfel heuer früher reif

In der Anlage wachsen derzeit Äpfel der Clubsorte Nicoter Kanzi. Die Früchte sind noch grün, haben laut Mitterhofer aber bereits eine beachtliche Größe erreicht. In diesem Jahr sollen die Äpfel zudem früher reif sein als im vergangenen Jahr.

2025 hatte die Ernte am 15. September begonnen. Vier Saisonarbeiter unterstützten damals den Betriebsleiter und seinen einzigen fest angestellten Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurde auf dem Betrieb zudem ein Spitzenertrag erzielt.

Forschung wird in der Praxis erprobt

Die Grundlage für das Bewässerungssystem stammt aus Versuchen des Versuchszentrums Laimburg in Pfatten. Die dort gewonnenen Erkenntnisse werden auf der Apfelanlage des Moarhofs sowie auf den Anlagen der weiteren 15 Gutsbetriebe des Landes praktisch erprobt.

„Wir erproben die Systeme und wollen den Bauern Lösungen in die Hand geben“, sagt Raffl.

Auch Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher nahm an der Führung teil. Angesichts der zunehmenden Trockenheit sei es wichtiger denn je, Wasser gezielt und sparsam einzusetzen. Was am Moarhof erprobt werde, zeige, wie aus angewandter Forschung konkrete Lösungen für die Landwirtschaft entstehen können.

Das sensorgesteuerte Bewässerungssystem soll den Wasserverbrauch insbesondere in Zeiten zunehmender Hitze und Trockenheit optimieren. Die Pflanzen werden dabei nur dann mit Wasser versorgt, wenn tatsächlich Bedarf besteht. Nach Einschätzung des Agrarbetriebs Laimburg könnte die Technologie damit zu einem wichtigen Baustein für eine klimaresiliente Landwirtschaft werden und Südtirol eine Vorreiterrolle in Europa ermöglichen.

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