von ih 07.08.2026 14:44 Uhr

Soziale Mitte der SVP: „Wie viel Wachstum verträgt unser Wasser?“

Angesichts zunehmender Trockenperioden und sinkender Wasserreserven fordert die Soziale Mitte der SVP eine grundlegende Debatte über die Belastbarkeit der Südtiroler Wasserversorgung. Nach Ansicht der Vorsitzenden Gabi Morandell müsse künftig stärker berücksichtigt werden, ob die vorhandenen Wasserressourcen weiteres Wachstum überhaupt zulassen.

Gabi Morandell (Bild: SVP)

Auslöser der Forderung sind die anhaltende Trockenheit, hohe Temperaturen und fehlende Schneereserven, die den Druck auf die Wasserversorgung erhöhen. Das Land Südtirol hatte bereits im Juli erste Maßnahmen zur Wassereinsparung beschlossen. Für die Soziale Mitte reichen diese jedoch nicht aus.

„Wir können nicht so tun, als wären unsere Wasserressourcen unbegrenzt. Wenn weniger Wasser zur Verfügung steht, müssen wir auch darüber sprechen, ob und wo weiteres Wachstum noch möglich ist“, erklärt Morandell.

Besonders den Tourismus sieht die Soziale Mitte als wichtigen Teil der Diskussion. Mit rund 38 Millionen Übernachtungen pro Jahr spiele die Branche eine bedeutende Rolle beim Wasserverbrauch. Je nach Art der Unterkunft und deren Ausstattung könne der Wasserbedarf eines Gastes deutlich höher sein als jener der einheimischen Bevölkerung. Zudem würden laufend neue Wellnessangebote und touristische Infrastrukturen geschaffen.

Die SVP-Soziale-Mitte fordert daher belastbare Daten darüber, wie viel Wasser der Tourismus tatsächlich verbraucht und wo die Belastungsgrenzen liegen. Es könne nicht die Lösung sein, die Kapazitäten im Tourismus weiter auszubauen und gleichzeitig in trockenen Sommern über Wasserknappheit zu diskutieren.

Damit stelle sich auch eine raumordnungspolitische Frage: Ob weiteres Wachstum überall möglich sei, wenn die Wasserversorgung bereits heute an ihre Grenzen stoße. Künftig müsse vor neuen Wohn- oder Tourismusprojekten zunächst geprüft werden, ob die notwendigen Ressourcen vorhanden seien.

Die Verantwortung dürfe jedoch nicht allein dem Tourismus zugeschrieben werden. Auch Landwirtschaft, Industrie, Gemeinden und private Haushalte müssten ihren Beitrag zu einem nachhaltigen Umgang mit Wasser leisten. Gleichzeitig fordert die Soziale Mitte mehr Transparenz über Wasserverluste in veralteten oder undichten Leitungsnetzen. Jeder unnötig verlorene Liter fehle letztlich dort, wo Wasser tatsächlich benötigt werde.

Als Konsequenz spricht sich die SVP-Soziale-Mitte für eine „Wasserstrategie Südtirol 2030/2040“ aus. Diese soll Wasserverfügbarkeit und Wasserverbrauch systematisch erfassen und verbindliche Ziele für Einsparungen, Wiederverwendung, Speicherlösungen, Bewässerung sowie die Sanierung der Leitungsnetze festlegen.

„Wir müssen aufhören, Wasserknappheit erst dann zum Thema zu machen, wenn die Brunnen trocken sind. Wasser muss zu einer zentralen Planungsgröße bei neuen Wohn- und Tourismusprojekten und bei jeder größeren wirtschaftlichen Entwicklung werden. Wachstum darf nicht automatisch Vorrang vor der Verfügbarkeit unserer natürlichen Ressourcen haben“, betont Morandell.

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