von mmh 30.07.2026 08:59 Uhr

Angriff auf den Fußball? Infantino-Plan sorgt für weltweiten Streit

Die Pläne von Fifa-Präsident Gianni Infantino sorgen für massive Unruhe im internationalen Fußball. Die Uefa stellt sich gegen die geplante Beteiligung von Investoren an den kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaft. Nun steht die Frage im Raum: Steht der Weltfußball vor einer historischen Spaltung?

APA/GETTY IMAGES NORTH AMERICA (Archivfoto)

Infantino will Medienberichten zufolge die Vermarktung der Fifa künftig über eine neue Tochtergesellschaft bündeln. Durch den Verkauf von Anteilen könnten Investoren einsteigen und der Weltverband Einnahmen von etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) erzielen.

Bei der Uefa stößt dieses Vorhaben auf heftigen Widerstand. Der europäische Verband sieht darin eine Grenze überschritten. Ein Boykott von Fifa-Wettbewerben soll intern bereits diskutiert worden sein, offiziell wollte die Uefa dazu bislang keine Stellung beziehen.

Uefa warnt vor „Angriff auf den Fußball“

Uefa-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke erklärte gegenüber dem „kicker“, viele Vertreter des europäischen Fußballs würden die Pläne als „absoluten Angriff auf den Fußball“ sehen. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte gegenüber „Bild“ große Bedenken.

„Fußball darf nicht zum Spielball von Investoren werden“, sagte Neuendorf. Er warnte davor, dass eine Einflussnahme von Investoren dazu führen könnte, dass die Weltmeisterschaft künftig häufiger stattfindet und sich stärker an wirtschaftlich lukrativen Märkten orientiert.

Auch der britische Premierminister Andy Burnham kritisierte die Entwicklung. „Der Fußball gehört nicht den Investoren. Er gehört den Menschen, die Tribünen füllen und an der Seitenlinie stehen“, sagte er in einem Instagram-Video.

Neben der Uefa äußerte auch der nord- und mittelamerikanische Fußballverband Concacaf Kritik. Der Verband zeigte sich besorgt über das aus seiner Sicht fehlende transparente Verfahren.

Was plant die Fifa konkret?

Im Zentrum der Pläne steht die geplante Gesellschaft „FIFA Forward Enterprise“. Diese soll künftig sämtliche kommerziellen Rechte und die Organisation von Turnieren bündeln.

Nach bisherigen Überlegungen könnten Investoren zwischen 20 und 30 Prozent des Unternehmens übernehmen. Die Fifa selbst möchte die Mehrheit behalten, während rund 20 Prozent an die 211 Mitgliedsverbände verteilt werden sollen.

Infantino verteidigte die Pläne inzwischen erstmals öffentlich. Er betonte, es handle sich lediglich um einen Vorschlag und nicht um eine Verpflichtung. In einem von der Fifa veröffentlichten Video sprach er von einem demokratischen Entscheidungsprozess und einer Möglichkeit für die Verbände.

Als mögliche Investoren gelten unter anderem die Investmentgesellschaft Thrive Capital des Unternehmers Joshua Kushner sowie die US-Bank JP Morgan. Kushner soll nach Informationen von „Politico“ versuchen, weitere internationale Staatsfonds als Kapitalgeber zu gewinnen.

Kann Europa aus der Fifa austreten?

Ein Austritt der Uefa selbst ist nicht möglich. Nur die 55 europäischen Nationalverbände könnten diesen Schritt vollziehen. Nach den Fifa-Statuten müsste beispielsweise der Deutsche Fußball-Bund einen Austritt spätestens sechs Monate vor Jahresende schriftlich ankündigen.

Der frühestmögliche Austrittstermin wäre damit der 31. Dezember 2027. Voraussetzung wäre außerdem, dass alle finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Fifa erfüllt sind.

Ein Rückzug aus Fifa-Wettbewerben hätte allerdings weitreichende Folgen. Verbänden drohen unter anderem Geldstrafen, Ausschlüsse von zukünftigen Bewerben sowie Sperren für Nationalmannschaften und Vereine.

Chaos auf dem Transfermarkt möglich

Ein Austritt europäischer Verbände könnte auch den Klubfußball massiv treffen. Das weltweite Transfersystem und die Registrierung von Spielern werden derzeit von der Fifa verwaltet.

Ohne Fifa-Regeln könnten Unsicherheiten auf dem Transfermarkt entstehen. Experten rechnen mit zahlreichen Rechtsstreitigkeiten vor nationalen Gerichten und dem Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Gründung eines neuen internationalen Fußballverbandes durch die Uefa gemeinsam mit anderen Kontinentalverbänden. Ein solcher Verband könnte eigene Wettbewerbe organisieren – etwa eine neue Klub-WM oder eine alternative Weltmeisterschaft.

Fifa könnte wirtschaftlich unter Druck geraten

Die größte Gefahr für die Fifa liegt in der Bedeutung des europäischen Fußballs. Die Topligen Europas, die Champions League und die Europameisterschaft gehören zu den attraktivsten Produkten für Fernsehsender und Sponsoren.

Sollte Europa tatsächlich auf Distanz zur Fifa gehen, könnten große Geldgeber ihre Investitionen vom Weltverband abziehen und stärker in das Uefa-System verlagern.

Damit steht der internationale Fußball vor einer möglichen Richtungsentscheidung: Bleibt die Fifa das Zentrum des Weltfußballs – oder entsteht ein neues Machtgefüge?

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