von Alexander Wurzer 02.07.2026 08:20 Uhr

Faschistische Tradition

Vergangenen Samstag fand auf der Sonnenburg das diesjährige Schlossfest statt. Beworben wurde die Veranstaltung mit den Worten „Tradition, Aromen, Zauber“ – ein klares Bekenntnis zu Geschichte, Brauchtum und lokaler Identität. Gerade deshalb drängt sich jedoch eine Frage auf: Wie glaubwürdig ist der Verweis auf die Tradition, wenn ausgerechnet der traditionsreichste Bestandteil des gesamten Ensembles – sein historischer Name – konsequent ausgeblendet wird?

Die Sonnenburg (Foto: UT24)

Denn die Veranstalter bewerben das Schloss nicht als Sonnenburg, sondern als „Castel Badia“. Jenen Namen also, den die neuen Eigentümer ihrem Luxushotel gegeben haben. Einen Namen, den UT24 bereits im vergangenen Dezember kritisch beleuchtet hat, weil er auf die faschistische Ortsnamenpolitik zurückgeht und den historisch gewachsenen Namen der Sonnenburg aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt.

Tradition endet beim Namen

Dabei geht es ausdrücklich nicht um das Schlossfest selbst. Im Gegenteil: Veranstaltungen, die lokale Kultur, Südtiroler Kulinarik, Handwerk und Brauchtum pflegen, sind grundsätzlich zu begrüßen. Umso befremdlicher wirkt jedoch die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Während in der Werbung die Tradition beschworen wird, verschwindet ausgerechnet jene Tradition, die das Schloss selbst seit Jahrhunderten prägt: sein Name.

Tradition erschöpft sich nicht in Musik, lokalen Spezialitäten oder einem historischen Gemäuer. Tradition ist auch Erinnerung. Sie ist Identität. Und sie lebt von der Bewahrung historisch gewachsener Namen, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden. Die Sonnenburg ist nicht irgendein Gebäude. Sie ist ein Kulturdenkmal mit einer jahrhundertealten Geschichte – und einem ebenso jahrhundertealten Namen.

Ein Name mit historischem Ballast

Mit der Umbenennung des Hotels in „Castel Badia“ haben sich die neuen Eigentümer bewusst für eine Bezeichnung entschieden, die ihre heutige Bekanntheit der faschistischen Italianisierung Südtirols verdankt. Ausgerechnet dieser Name dient nun als Aushängeschild einer Veranstaltung, die mit „Tradition“ wirbt. Genau darin liegt die Ironie: Beworben wird die Pflege der Tradition – verwendet wird aber ein Name, der für die Verdrängung historisch gewachsener Traditionen eingeführt wurde.

Wer den Begriff „Tradition“ so offensiv ins Zentrum seiner Werbung rückt, muss sich auch an diesem Maßstab messen lassen. Die Entscheidung für „Castel Badia“ ist keine bloße sprachliche Variante, sondern eine bewusste Markenentscheidung. Und sie steht in einem historischen Kontext, der mit der Bewahrung von Tradition wenig, mit der systematischen Verdrängung historisch gewachsener Ortsnamen hingegen umso mehr zu tun hat.

Tradition braucht Glaubwürdigkeit

Vielleicht wäre es gerade im Sinne einer glaubwürdigen Traditionspflege an der Zeit, sich daran zu erinnern, dass Geschichte nicht erst beim Schlossfest beginnt. Sie beginnt beim Namen des Schlosses. Wer „Tradition“ als Werbebotschaft in den Mittelpunkt stellt, sollte deshalb auch jene historische Identität respektieren, die das Schloss über Jahrhunderte geprägt hat.

Tradition ist kein Werbeslogan. Tradition beginnt beim respektvollen Umgang mit der eigenen Geschichte. Und zur Geschichte dieses Schlosses gehört seit Jahrhunderten ein Name: Sonnenburg.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite