Südtirol repariert lieber, als neu zu kaufen

Die Studie ist eine gemeinsame Arbeit des Instituts für Erneuerbare Energie von Eurac Research und des ASTAT. Sie entstand im Rahmen des probabilistischen Panels „So denkt Südtirol“ und gehört zum europäischen Projekt ECLECTIC. Befragt wurden 994 Personen im Alter von 18 bis 80 Jahren und zwar telefonisch und online im Zeitraum September bis Oktober 2025. Die Rücklaufquote lag bei 83 Prozent.
Die Mehrheit der Südtiroler Bevölkerung gibt an, das Konzept der Kreislaufwirtschaft gut zu kennen: sechs Prozent bezeichnen ihr Wissen als sehr gut, 51 Prozent als gut. Allerdings geben 38 Prozent an, nur geringe Kenntnisse zu haben und fünf Prozent kennen das Konzept überhaupt nicht. Zugleich zeigt die Bevölkerung eine ausgeprägte Sensibilität für Umweltschutz, Mülltrennung und nachhaltigen Konsum, berichtet das ASTAT.
Verhalten passt großteils zur Kreislaufwirtschaft
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Südtiroler bereits kreislauforientiert handeln. 95 Prozent der Befragten erklären, neue Produkte nur dann zu kaufen, wenn es wirklich notwendig ist. 91 Prozent geben an, ihre Gegenstände zu reparieren oder zu warten. Auch das Verschenken und Verkaufen nicht mehr genutzter Dinge ist verbreitet.
Weniger üblich sind hingegen andere Praktiken: Upcycling, also einem Gegenstand eine neue Funktion zu geben, wird nur von 42 Prozent praktiziert. 58 Prozent bevorzugen beim Einkauf neue statt gebrauchte Produkte. Und nur sieben Prozent der Bevölkerung nutzen wiederaufbereitete, also gebrauchte, aber generalüberholte elektronische Geräte. Hier sehen die Studienautoren großes Entwicklungspotenzial.
Kleidung wird am häufigsten weiterverwendet
Untersucht wurden sechs Produktkategorien. Am häufigsten werden Praktiken der Kreislaufwirtschaft bei Kleidung angewandt: 29 Prozent der Befragten kaufen gebrauchte Kleidung, 71 Prozent bessern Kleidungsstücke aus und 36 Prozent gestalten sie um. Danach folgen vor allem Möbel und Elektronik.
Was die Menschen vom Kauf Gebrauchter abhält
Beim Kauf gebrauchter Produkte nennen die Befragten mehrere Hindernisse: 38 Prozent äußern Bedenken bei Sicherheit und Hygiene, 34 Prozent zweifeln an Qualität und Haltbarkeit, und 31 Prozent empfinden das Angebot als zu gering. Beim Reparieren und beim Upcycling ist hingegen das fehlende Know-how das meistgenannte Hemmnis. Als wichtigste Beweggründe für kreislauforientiertes Verhalten gelten die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit sowie die ökologische Nachhaltigkeit.
Das wünscht sich die Bevölkerung
Bei den Angeboten steht für die Bevölkerung mehr Unterstützung beim Reparieren an erster Stelle: 67 Prozent wünschen sich ein größeres Angebot an Reparaturdiensten. 41 Prozent hätten gerne mehr und bessere Secondhandläden, 40 Prozent wünschen sich Upcycling-Angebote.
Bei den Anreizen ist der Preis der wichtigste Faktor: 54 Prozent wären eher zu kreislauforientiertem Verhalten bereit, wenn gebrauchte oder aufbereitete Produkte günstiger wären. 48 Prozent befürworten Steuervergünstigungen für Reparaturen oder den Kauf kreislauforientierter Produkte, 44 Prozent finden Cashback-Modelle interessant.
Unter den politischen Maßnahmen werden Informations- und Sensibilisierungskampagnen am häufigsten genannt (62 Prozent), gefolgt von finanziellen Anreizen für Haushalte (52 Prozent) und praktischen Initiativen wie Reparatur- und Recycling-Workshops (43 Prozent).
Die vollständigen Ergebnisse sind hier abrufbar: https://www.eurac.edu/doi/1057749cchz-dz38






