Hat Südtirol Angst vor der Zukunft?

Das Arbeitsförderungsinstitut AFI hat im Frühjahr 2026 eine Umfrage unter lohnabhängig Beschäftigten in Südtirol mit denselben Fragen wie bereits 2023 durchgeführt. Das Ziel war es, herauszufinden, ob sich die Sorgen und Prioritäten der Menschen verändert haben. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Altersrente und die berufliche Zukunft der Kinder gehören auch 2026 zu den Hauptsorgen der Befragten, allerdings in umgekehrter Reihenfolge im Vergleich zu 2023. Die Sorge um die nächste Generation ist nun Spitzenreiter.Â
Was die Menschen wirklich beschäftigt
79 Prozent der Arbeitnehmer in Südtirol sorgen sich um die berufliche Zukunft ihrer Kinder. Das ist keine abstrakte Zahl. Dahinter steckt eine konkrete Frage, die viele Eltern umtreibt: Wird mein Kind hier in Südtirol eine gute Zukunft haben? Wird es sich eine Wohnung leisten können? Wird es einen Job finden, der seinen Qualifikationen entspricht und genug zum Leben bringt?
An zweiter Stelle steht die Sorge um die eigene Rente. Dazu kommt die Angst, nicht genügend Geld zum Leben zu haben oder in Notlagen keine ausreichende öffentliche Unterstützung zu erhalten.Â
Besonders auffällig ist die Verschiebung gegenüber 2023. Damals stand die Rente noch an erster Stelle, heute ist es die Zukunft der Kinder. AFI Direktor Stefan Perini erklärt, dass es bei den Ängsten der Menschen nur geringfügige Verschiebungen zur Befragung vor zweieinhalb Jahren gibt, bei den brennenden gesellschaftlichen Themen allerdings deutliche Verlagerungen. Das bedeutet konkret, dass die Grundsorgen dieselben bleiben, aber die Prioritäten verschieben sich. Die Jugend rückt ins Zentrum.
Das teure Leben als Dauerthema
Eng verbunden mit diesen Sorgen ist die Teuerung. Laut AFI Direktor Stefan Perini werden die steigenden Lebenshaltungskosten aktuell als das wichtigste gesellschaftliche Thema angesehen mit dem sich Südtirol konfrontiert sieht. Alles wird teurer und die Löhne halten nicht mit. Wer wenig verdient oder am Anfang seiner Karriere steht, spürt das besonders.
Das hängt direkt mit der Sorge um die Kinder zusammen. Denn wer sich fragt, ob das eigene Kind in Südtirol bleiben wird, denkt unweigerlich auch ans Wohnen. Ein junger Mensch, der nach dem Studium zurückkommt, findet in Bozen oder Meran kaum eine bezahlbare Wohnung.Â
Wohlstand mit Rissen
Was die Umfrage deutlich macht, ist ein Widerspruch, der Südtirol schon länger begleitet. Nach außen hin funktioniert vieles gut. Die Wirtschaft läuft, die Arbeitslosigkeit ist gering, der Tourismus boomt. Aber im Inneren wächst eine Unsicherheit: Hohe Lebenshaltungskosten, steigende Inflation und die Sorge um die Zukunft der nächsten Generation und die Altersrente sind die Topthemen, die die lohnabhängige Südtiroler Bevölkerung beschäftigen.Â






