von ih 12.06.2026 06:08 Uhr

Als ein Volk nicht schwieg: Die Nacht, die Südtirol veränderte

Mit Bergfeuern, Lichtinstallationen und weithin sichtbaren „65“-Schriftzügen hat der Schützenbezirk Pustertal am Mittwochabend an die Feuernacht vom 11. Juni 1961 erinnert. Die Aktionen sollten nicht nur an die historischen Ereignisse vor 65 Jahren erinnern, sondern auch ein Zeichen des Gedenkens an jene Menschen setzen, die sich damals für die Anliegen Südtirols einsetzten.

Bergfeuer mit 65 am Eggerberg in Niederdorf / Oberes Pustertal

In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 erschütterten zahlreiche Explosionen das Land. Mitglieder des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS) sprengten insgesamt 37 Strommasten und lenkten damit die internationale Aufmerksamkeit auf die Südtirol-Frage. Die Anschläge gelten bis heute als Wendepunkt in der Geschichte des Landes und als Ausdruck der Spannungen zwischen der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung Südtirols und dem italienischen Staat.

„Menschen aus ganz Tirol haben sich vor 65 Jahren selbstlos und unter Einsatz des eigenen Lebens für Freiheit und Gerechtigkeit eingesetzt. Ihrer zu gedenken und ihnen zu danken, ist unsere Pflicht. Besonders denken wir heuer an Siegfried Steger und die Puschtra Buibm“, betont Bezirksmajor Thomas Innerhofer im Rahmen der Gedenkinitiative.

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren von politischen und gesellschaftlichen Konflikten geprägt. Viele Südtiroler fühlten sich durch die staatliche Politik benachteiligt und in ihrer kulturellen Identität bedroht. Die verstärkte italienische Zuwanderung sowie Einschränkungen für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung führten zu wachsender Unzufriedenheit und Spannungen im Land.

Auf die Anschläge der Feuernacht folgte eine harte Reaktion des Staates. Zahlreiche Südtiroler wurden verhaftet, vor Gericht gestellt oder nach Angaben von Zeitzeugen und Historikern misshandelt und gefoltert. Zudem wurden rund 25.000 Soldaten nach Südtirol entsandt. Die starke militärische Präsenz und die umfassenden Sicherheitsmaßnahmen prägten die folgenden Jahre nachhaltig.

Auch Jahrzehnte später seien die Folgen dieser Zeit noch spürbar, heißt es vonseiten der Schützen. Umso wichtiger sei es, die Erinnerung an die Ereignisse und ihre Auswirkungen wachzuhalten.

Die Bergfeuer, die in der Nacht auf zahlreichen Anhöhen des Pustertals leuchteten, sollten daher nicht nur an die historischen Geschehnisse erinnern, sondern auch als Mahnung dienen. Sie verbanden Vergangenheit und Gegenwart und setzten ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen eines bewegenden Kapitels der Südtiroler Geschichte.

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