„Kinder mit Behinderung werden in der Schule benachteiligt“

Während Politik und Verwaltung regelmäßig von Inklusion sprechen, erlebten viele Familien eine andere Realität, so der AEB. Dem Verein würden immer mehr Fälle gemeldet, in denen die zugewiesenen Stunden für Integrationslehrpersonen und Mitarbeiter für Integration deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf lägen. Besonders problematisch sei, dass die Entscheidungen oft nicht den Empfehlungen jener Fachleute folgten, die die Kinder täglich begleiteten. „Wenn Schulführungskräfte, Klassenräte, Therapeuten, Schulpsychologen, Ärzte und Betreuungspersonal einen höheren Unterstützungsbedarf feststellen, dieser aber bei der Zuteilung der Ressourcen nicht berücksichtigt wird, dann findet keine bedarfsgerechte Stundenzuweisung mehr statt“, kritisiert Ausschussmitglied, Bernardette Ramoser. Stattdessen werde nach einer Sparlogik und einem starren Rastersystem auf dem Rücken der betroffenen Kinder verwaltet. Die Qualität der inklusiven Schule sei dadurch in Gefahr, die Klassenräte seien überfordert.
Aufruf an Eltern und Fachkräfte
Der Verein ruft Eltern, Schulführungskräfte und pädagogische Fachkräfte dazu auf, noch vor Schulschluss aktiv zu werden. Sie sollten den tatsächlich notwendigen Stundenbedarf schriftlich festhalten und an die Bildungsdirektion melden. Nur wenn die reale Situation sichtbar gemacht werde, lasse sich der Missstand nicht länger ignorieren.
„Das eigentliche Problem liegt tiefer“
Zugleich warnt der AEB davor, die Debatte allein auf die jährliche Stundenzuteilung zu reduzieren. Seit Jahren gelinge es nicht, ausreichend qualifiziertes Personal für die Integrationsstellen zu gewinnen und langfristig zu halten. Solange Integrationslehrpersonen und Mitarbeiter vielfach nur befristete Verträge erhielten, fehle jede Planungssicherheit. „Wer investiert Jahre in Ausbildung und Spezialisierung, wenn am Ende oft nur eine provisorische Anstellung für ein Schuljahr wartet?“, heißt es vom Verein.
Hinzu kämen bürokratische Hürden bei der Anerkennung ausländischer Studientitel sowie langwierige Zugangswege zu Spezialisierungen und Wettbewerben. Dadurch würden dringend benötigte Fachkräfte abgeschreckt, statt gewonnen.
Die Forderungen des AEB
- eine bedarfsgerechte Zuweisung von Integrationsstunden auf Grundlage der fachlichen Einschätzungen vor Ort
- eine langfristige Personalstrategie für Integrationslehrpersonen und Mitarbeiter für Integration
- stabile und attraktive Stellenpläne statt dauerhafter Provisorien und Notlösungen
- eine raschere Anerkennung ausländischer Qualifikationen
- konkrete politische Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte
„Inklusion darf nicht an Personalmangel, Bürokratie oder Sparmaßnahmen scheitern“, betont AEB-Vorstandsmitglied, Thomas Spitaler. Kinder mit Behinderung hätten ein Recht auf Bildung und Unterstützung, die sich an ihrem tatsächlichen Bedarf orientiere. Dieses Recht müsse endlich konsequent umgesetzt werden.





