Der Tag, an dem Arno Kompatscher alt aussah

Warnungen laufen ins Leere
Wochenlang wurde von Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher vor den Folgen der Transit-Demonstration gewarnt. Es wurde der Eindruck erweckt, als stünde Nord- und Südtirol ein Verkehrskollaps bevor. Die Botschaft war klar: Diese Demonstration sei unverantwortlich, sie bringe nichts und verursache nur Probleme.
Doch was ist tatsächlich passiert?
Die Brennerautobahn wurde gesperrt. Rund 4.500 Menschen gingen auf die Straße. Und das große Chaos? Es blieb aus. Statt kilometerlanger Staus meldeten Polizei und Verkehrsexperten eine überraschend entspannte Lage. Die Straßen blieben weitgehend frei, die befürchteten Zustände traten nicht ein. Damit fällt die Argumentation Kompatschers in sich zusammen wie ein Kartenhaus.
Von wegen keinen Mehrwert
Besonders unerquicklich wirkt dabei Kompatschers Behauptung, die Demonstration habe keinen Mehrwert.
Wer die Bilder vom Brenner gesehen hat, erkennt sofort das Gegenteil. Tausende Menschen aus Nord-, Ost- und Südtirol standen friedlich Seite an Seite und machten auf ein Problem aufmerksam, das die Bevölkerung seit Jahren belastet. Lärm, Abgase, Transitlawinen und die ständige Überlastung der Brennerroute sind keine Erfindungen von Aktivisten, sondern Alltag für viele Menschen entlang der Strecke.
Genau deshalb wirkt das Verhalten des Südtiroler Landeshauptmannes so befremdlich. Während Nord- und Osttirols Landeshauptmann Anton Mattle den Mut hatte, sich gemeinsam mit den Bürgern zu zeigen und ihre Sorgen ernst zu nehmen, solidarisierte sich Kompatscher lieber mit italienischen Frächtern. Während Mattle politische Führung demonstrierte, vermittelte Kompatscher den Eindruck eines Verwaltungsbeamten, der niemanden aus der Transitlobby auf die Füße treten wollte.
Ein abgehobener Südtiroler Landeshauptmann
Das eigentliche Problem ist dabei nicht einmal seine Ablehnung der Demonstration. In einer Demokratie darf man unterschiedlicher Meinung sein. Das Problem ist vielmehr die politische Instinktlosigkeit, die dahintersteht. Wenn tausende Menschen gegen die Folgen des Transitverkehrs aufstehen, dann erwartet die Bevölkerung von ihrem Landeshauptmann Rückhalt oder zumindest Verständnis. Stattdessen bekamen sie Belehrungen und Warnungen.
Kompatscher hat an diesem Tag einmal mehr gezeigt, warum viele Südtiroler ihn als zunehmend abgehoben wahrnehmen. Wer sich reflexartig gegen jene stellt, die unter den Belastungen des Transitverkehrs leiden, darf sich nicht wundern, wenn die eigene Glaubwürdigkeit Schaden nimmt.
Anton Mattle hingegen hat verstanden, worum es geht: Ein Landeshauptmann ist nicht nur Verwalter von Zuständigkeiten. Er ist auch Anwalt seiner Bevölkerung. Er muss dort stehen, wo die Menschen stehen – besonders dann, wenn diese auf Missstände aufmerksam machen.
Mattle zeigt, wie es wirklich geht
Der heutige Tag am Brenner war deshalb mehr als eine Demonstration gegen den Transitverkehr. Er war auch ein politischer Vergleich zweier Führungsstile.
Und in diesem Vergleich machte Anton Mattle eine deutlich bessere Figur.
Arno Kompatscher dagegen wirkte wie ein Politiker, der die Stimmung im eigenen Land längst nicht mehr versteht. Das ausgebliebene Verkehrschaos ist deshalb nicht nur eine Niederlage für seine Argumentation. Es ist eine Blamage für einen Landeshauptmann, der die Sorgen der verkehrsgeplagten Bevölkerung im Wipptal und darüber hinaus vollkommen unterschätzt hat.






