von lif 27.05.2026 10:52 Uhr

Die Branche, die Südtirol am Laufen hält

Wenn morgens die ersten Geschäfte öffnen, auf Baustellen Material ankommt oder die Supermarktregale gefüllt werden, hat meist jemand zuvor die Nacht auf der Straße verbracht. Transporteure halten den Alltag am Laufen und doch wird ihre Arbeit oft erst dann wahrgenommen, wenn der Verkehr stillsteht.

Alexander Öhler, Kurt Mair, Oskar Kofler, Gottfried Steiner und Gabriele Gasser (Foto © lvh.apa)

Genau um diese Themen ging es bei der Klausurtagung des Berufsbeirats der Transporteure im Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa). Im Haus des Handwerks in Bozen legten die Vertreter rund um Obmann Alexander Öhler die strategischen Schwerpunkte für die kommenden Jahre fest. Dabei wurde rasch klar, dass die Herausforderungen wachsen.

Kritik an mangelnder Kommunikation

Ein zentrales Thema war die Infrastruktur. Die Betriebe bemängeln vor allem die mangelnde Kommunikation rund um Baustellen und Verkehrsmaßnahmen: Informationen kämen oft zu spät oder zu ungenau bei den Unternehmen an. Gerade im Transportwesen entscheiden aber mitunter wenige Stunden über funktionierende Abläufe. Der Berufsbeirat fordert daher eine engere Zusammenarbeit zwischen Verkehrsmeldezentrale, Politik und Unternehmen.

Auch die großen verkehrspolitischen Brennpunkte standen im Mittelpunkt: der Brennerkorridor, die Situation rund um Kufstein, Nachtfahrverbote sowie die Zukunft des Güterverkehrs auf der Schiene. Geplant sind dazu Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern in Süd-, Ost-, Nord- und Welschtirol. Diskutiert wurde zudem über Verkehrsströme in den Städten, Abladeplätze, Sicherheitsfragen und intelligente Parkplatzlösungen.

Sektor will sichtbarer werden

Ein weiteres Anliegen war das Image der Branche. Viele Transporteure erleben, dass ihre Arbeit meist nur dann auffällt, wenn ein Lkw im Stau steht. Die zentrale Rolle für Versorgung, Wirtschaft und Alltag bleibt dagegen unsichtbar. Das soll sich ändern. Besprochen wurden Imagekampagnen mit Botschaften wie „Wir transportieren für euch“, Social-Media-Videos, Kooperationen mit Schulen sowie kurze Filmformate, die die Vielfalt des Berufs zeigen. Angedacht sind auch Partnerschaften mit Lebensmittelherstellern, um sichtbar zu machen, welchen Weg Produkte zurücklegen, bevor sie im Regal landen.

Fokus auf den Nachwuchs

Besonders am Herzen liegt dem Berufsbeirat die Jugend. Gemeinsam mit Schulen und Initiativen wie „Abenteuer Handwerk“ sollen junge Menschen früher mit dem Berufsbild in Kontakt kommen, über Informationsflächen an Schulen, Filme über den Berufsalltag und neue Formate für die Berufsorientierung. Daneben rückten auch Themen wie Fachkräftemangel, Weiterbildung und Digitalisierung in den Fokus, darunter der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Transportsektor.

Eine schnelle Lösung stand am Ende der Klausur zwar nicht, dafür aber ein klares Signal: Die Transporteure wollen künftig nicht mehr nur reagieren, sondern bei Mobilität, Infrastruktur und der Zukunft der Wirtschaft aktiv mitgestalten.

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