von mag 16.05.2026 12:53 Uhr

Zöliakie ist keine Mode

Am heutigen 16. Mai wird weltweit der Internationale Tag der Zöliakie begangen. Ein Anlass, um auf eine Krankheit aufmerksam zu machen, die oft missverstanden wird. Denn obwohl „glutenfrei“ längst in Supermarktregalen, Restaurantkarten und sozialen Medien angekommen ist, wird Zöliakie noch immer häufig mit einem Ernährungstrend verwechselt. Dabei handelt es sich nicht um eine freiwillige Lebensweise – sondern um eine chronische Autoimmunerkrankung mit teils schweren Folgen.

Für Menschen mit Zöliakie kann selbst ein kleines Stück Brot gesundheitliche Folgen haben (Symbolbild von Sylwester Lukaszonek auf Pixabay).

Rund ein Prozent der Bevölkerung ist von Zöliakie betroffen, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Experten gehen davon aus, dass viele Erkrankte jahrelang nichts von ihrer Krankheit wissen, weil die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen können.

Mehr als nur Bauchschmerzen

Wer an Zöliakie leidet, reagiert auf Gluten – ein Eiweiß, das unter anderem in Weizen, Roggen oder Gerste enthalten ist. Bereits kleinste Mengen können eine Immunreaktion auslösen. Dabei greift der Körper die eigene Dünndarmschleimhaut an. Die Folge: Die wichtigen Darmzotten bilden sich zurück, Nährstoffe werden schlechter aufgenommen und langfristig können Mangelerscheinungen oder Folgeerkrankungen entstehen.

Typische Beschwerden sind Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen oder Müdigkeit. Doch die Krankheit zeigt sich nicht immer eindeutig. Manche Betroffene leiden unter Eisenmangel, Hautproblemen, Gelenkschmerzen oder Konzentrationsstörungen, andere wiederum haben kaum spürbare Symptome. Genau das macht Zöliakie so tückisch.

„Ein bisschen Gluten“ gibt es nicht

Besonders problematisch ist die gesellschaftliche Wahrnehmung der Krankheit. Viele Menschen verbinden glutenfreie Ernährung heute mit Lifestyle, Diäten oder bewusster Ernährung. Dadurch erleben Betroffene häufig, dass ihre Erkrankung nicht ernst genommen wird.

Sätze wie „Ein bisschen wird schon nicht schaden“ oder „Das ist doch nur so ein Ernährungstrend“ hören Menschen mit Zöliakie regelmäßig. Für sie kann jedoch bereits ein kleines Stück Brot oder eine verunreinigte Arbeitsfläche gesundheitliche Folgen haben. Denn anders als bei freiwilligen Ernährungsformen geht es hier nicht um eine persönliche Entscheidung – sondern um medizinische Notwendigkeit.

Selbst Krümel im Toaster oder Spuren von Mehl in der Küche können problematisch sein. Viele Betroffene müssen deshalb im Alltag äußerst vorsichtig sein – beim Einkaufen ebenso wie im Restaurant oder auf Reisen.

Zwischen Trend und Realität

Ironischerweise hat der Boom glutenfreier Produkte zwar die Auswahl für Betroffene verbessert, gleichzeitig aber auch zu Missverständnissen beigetragen. Immer mehr Menschen verzichten freiwillig auf Gluten, obwohl keine medizinische Diagnose vorliegt. Fachleute warnen davor, dadurch die tatsächliche Erkrankung zu verharmlosen.

Denn Zöliakie ist keine klassische „Unverträglichkeit“, sondern eine Autoimmunerkrankung. Wer trotz Diagnose weiterhin Gluten konsumiert, riskiert dauerhafte Schäden im Darm sowie mögliche Folgeerkrankungen wie Osteoporose oder Nährstoffmangel.

Aufklärung bleibt entscheidend

Der Internationale Tag der Zöliakie soll deshalb nicht nur informieren, sondern auch Verständnis schaffen. Für viele Betroffene bedeutet die Diagnose eine lebenslange Umstellung – nicht aus Überzeugung, sondern aus gesundheitlicher Notwendigkeit.

Gerade deshalb ist Rücksicht im Alltag wichtig: in Schulen, Restaurants, Kantinen oder im Freundeskreis. Denn wer an Zöliakie leidet, entscheidet sich nicht freiwillig gegen Gluten – der eigene Körper zwingt ihn dazu.

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