Holocaust-Überlebende erzählt ihre Geschichte in Innsbruck

Die Veranstaltung findet um 19 Uhr im Innsbrucker Landhaus statt. Unter dem Titel „Damals hieß ich Rita“ berichtet Kats von ihrer Kindheit im Versteck, vom Verlust ihrer Familie und von der späten Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. Geboren wurde sie in eine jüdische Familie in Amsterdam, kam jedoch bereits wenige Monate später in die Obhut eines niederländischen Ehepaares, das sie fortan „Rita“ nannte. Ihre Eltern und ihr kleiner Bruder wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Seit den 1990er Jahren spricht Rozette Kats als Zeitzeugin an Schulen in den Niederlanden und Deutschland. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie auch durch ihren Auftritt bei der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag am Holocaust-Gedenktag 2023.
Landeshauptmann Anton Mattle betont die Bedeutung solcher Begegnungen: Zeitzeugen wie Rozette Kats würden der Geschichte eine Stimme geben und daran erinnern, Verantwortung auch in der Gegenwart zu übernehmen.
Musik, Gedichte und Erinnerungskultur
Bereits Ende April fand im Landhaus ein eindrucksvoller Musiktheaterabend unter dem Titel „Was ist richtig? Wege des Widerstands“ statt. Dabei standen die Lebensgeschichten der Pazifistin Irene Harand und des Generals Wilhelm Zehner im Mittelpunkt – zwei Persönlichkeiten, die auf unterschiedliche Weise Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten.
Die Militärmusik Tirol brachte gemeinsam mit Sängerin Elisabeth de Roo und Regisseur Thomas Lackner Werke von Mahler, Zemlinsky, Korngold und Berg auf die Bühne. Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Tiroler Kulturservice, wodurch auch Schüler die Möglichkeit hatten, die Aufführung zu besuchen.
Musikalisch und literarisch ging es am 6. Mai im Treibhaus Innsbruck weiter. Schauspielerin Jasmin Mairhofer las dort erstmals öffentlich Gedichte der Holocaust-Überlebenden Leokadia Justman, die diese ab 1944 – teils während ihrer Haft im Innsbrucker Polizeigefängnis – verfasst hatte. Auch Jeffrey Wisnicki, der Sohn von Leokadia Justman, war anwesend.
Ausstellung und Kuratorenführung im Landhaus
Die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ist weiterhin im Landhaus 1 in Innsbruck zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung durch neue Inhalte zur Graphic Novel „Lodzia & Marysia“, die der Tiroler Illustrator Alwin Hecher gestaltet hat.
Am 13. Mai findet zudem um 17 Uhr eine Kuratorenführung mit Christian Mathies statt. Dabei wird besonders die NS-Vergangenheit des Landhauses thematisiert – von seiner Errichtung als Gauhaus bis zur heutigen Nutzung als Sitz der Landesverwaltung.
Die Veranstaltungen erfolgen in Zusammenarbeit mit mehreren Institutionen, darunter die Universität Innsbruck, die Pädagogische Hochschule Tirol sowie ERINNERN:AT. Interessierte für das Zeitzeugengespräch mit Rozette Kats können sich noch bis 18. Mai anmelden.






