von mmh 29.04.2026 07:35 Uhr

Wettlauf gegen die Zeit: Schafft es Buckelwal Timmy in die Nordsee?

Die spektakuläre Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal „Timmy“ hat eine entscheidende Phase erreicht. Der Schleppverband mit dem Tier hat mittlerweile die offene Ostsee erreicht und befindet sich auf dem Weg Richtung Nordsee. Laut Schiffs-Ortungsdienst lag die Position am frühen Morgen rund elf Kilometer südöstlich von Fehmarn. Der Transport erfolgt dabei mit sehr langsamer Geschwindigkeit.

APA/dpa

Nach dem aktuellen Plan einer privaten Initiative soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dort freigelassen werden. Am Abend zuvor hatte der Schlepper „Robin Hood“ den mit Wasser gefüllten Lastkahn mit dem Wal übernommen und aus der Kirchsee vor der Insel Poel hinaus in die Wismarbucht gezogen.

Rettungsaktion geht in entscheidende Phase

Mit der Umlagerung des Wals in den Lastkahn erreichte die Rettung einen kritischen Wendepunkt. Über mehrere Stunden hinweg hatten Helfer das Tier in eine eigens ausgehobene Rinne manövriert und schließlich mit Gurten zur Barge gezogen. Am Nachmittag gelang es schließlich, den Wal in das abgesenkte Transportgefäß zu bringen. Ein Netz wurde gespannt, um ein Entkommen zu verhindern, bevor kleinere Boote den Kahn in Richtung offene See schoben.

Begleitet wird der Schleppverband von einem zweiten Schiff, das parallel zur Sicherung der Aktion eingesetzt wird. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus zeigte sich nach der gelungenen Bergung sichtlich erleichtert. Er sprach davon, dass ihm „ein Stein vom Herzen“ gefallen sei und gab an, die Situation habe ihn emotional stark bewegt.

Experten warnen: Zustand des Wals kritisch

Trotz des Fortschritts bleibt die Lage angespannt. Wissenschaftler hatten bereits im Vorfeld Zweifel an der Erfolgsaussicht der Rettung geäußert und auf den sich verschlechternden Gesundheitszustand des Tieres hingewiesen. Um den Wal während der Reise zu überwachen, begleiten Veterinärmediziner den Transport.

Unklar ist weiterhin, ob der Buckelwal die mehrtägige Reise überstehen wird und ob er anschließend in der Nordsee oder im Atlantik wieder dauerhaft in Freiheit leben kann. Experten vermuten, dass das Tier bereits vor der Strandung geschwächt war und deshalb wiederholt flache Gewässer aufgesucht hatte.

Wochenlange Irrfahrt vor der Rettung

Der Wal war erstmals Anfang März in Küstennähe gesichtet worden, zunächst im Hafen von Wismar. Wenige Wochen später strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand, konnte sich jedoch zunächst wieder befreien. Statt ins offene Meer zurückzukehren, schwamm er jedoch erneut in Richtung Küste.

Schließlich geriet er in die flache Bucht der Insel Poel, wo er mehrfach strandete. Diese wiederholten Zwischenfälle führten letztlich zur Entscheidung, den Wal in einer aufwendigen Rettungsaktion per Lastkahn zurück in tiefere Gewässer zu bringen.

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