von lif 28.04.2026 14:32 Uhr

103 Minuten täglich: Senioren und ihr Smartphone

Es war lange ein Klischee: Ältere Menschen und Smartphones, das passt nicht zusammen. Die Enkelin muss helfen, wenn die Oma nicht weiß, wie man eine WhatsApp-Nachricht schickt. Der Opa tippt mit einem Finger. Doch dieses Bild stimmt immer weniger. Weltweit greifen immer mehr Menschen über 60 zum Smartphone.

Bild von congerdesign auf Pixabay

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut der SIM Studie 2024, einer gemeinsamen Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest und der Katholischen Hochschule Freiburg, besitzen inzwischen 83 Prozent der Menschen ab 60 Jahren ein Smartphone, ein Plus von elf Prozentpunkten im Vergleich zu 2021. Auch die tägliche Nutzungszeit wächst. Wie der deutsche Digitalverband Bitkom berichtet, verbringen Senioren über 65 Jahren mittlerweile durchschnittlich 103 Minuten pro Tag mit ihrem Smartphone, 23 Minuten mehr als noch 2023.

Doch was machen ältere Menschen eigentlich mit dem Smartphone? Der häufigste Grund ist Kommunikation. Laut Bitkom können sechs von zehn Senioren über 65 Jahren Nachrichten per Messenger verschicken, 44 Prozent wissen wie man Fotos und Videos aufnimmt. WhatsApp ist dabei das mit Abstand beliebteste Werkzeug, um mit Kindern, Enkeln und alten Freunden in Kontakt zu bleiben. Sprachnachrichten sind besonders beliebt, weil sie das Tippen ersetzen und sich natürlicher anfühlen als ein geschriebener Text. Aber es bleibt nicht beim Chatten. Immer mehr ältere Menschen nutzen ihr Gerät zum Nachrichtenlesen, für Videoanrufe, zum Einkaufen oder zum Buchen von Arztterminen. Wie die SIM Studie 2024 zeigt, stieg die Internetnutzung bei den über 80-Jährigen um elf Prozent auf 62 Prozent. Eine Generation, die ohne Computer aufgewachsen ist, eignet sich die digitale Welt also Schritt für Schritt an.

Doch Hürden gibt es noch immer. Kleine Schrift, komplizierte Menüs, ständige Updates und unerwartete Benachrichtigungen können schnell überfordern. Viele ältere Menschen berichten, dass sie das Gerät zwar besitzen, aber längst nicht alle Funktionen kennen oder nutzen. Manche bleiben bewusst bei den Basics wie telefonieren, Nachrichten schreiben, vielleicht noch ein Foto machen. 

Die Industrie hat diese Zielgruppe längst entdeckt. Hersteller bieten Geräte mit größeren Displays, einfacheren Oberflächen und gut sichtbaren Symbolen an. Apps werden benutzerfreundlicher gestaltet, Schriftgrößen lassen sich leichter anpassen. Auch spezielle Lern-Apps für Senioren erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Interessant ist auch der Blick auf die Unterschiede zwischen den Generationen. Laut einer Umfrage des Börsenblatts nutzen 68 Prozent der 18 bis 34-Jährigen das Smartphone direkt nach dem Aufwachen, bei den über 65-Jährigen sind es nur 25 Prozent. Auch beim Blick aufs Handy während der Mahlzeiten zeigt sich ein deutlicher Unterschied, denn junge Menschen scrollen öfter beim Essen, ältere legen das Gerät weg. 

Was sich also klar zeigt: Das Smartphone ist für ältere Menschen längst kein Spielzeug mehr, sondern ein praktisches Werkzeug. Es hält Verbindungen aufrecht, die ohne das Gerät schwieriger wären. Es gibt Sicherheit, weil man im Notfall schnell jemanden erreichen kann und es öffnet ein Fenster zur Welt, auch für Menschen, die nicht mehr so mobil sind wie früher.

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