Massive Defizite in der Versorgung: Post-Covid bleibt großes Problem

„Patienten mit Post-Covid-Symptomen empfinden die medizinische Versorgung in Österreich als unzureichend. Die geplante Einrichtung spezialisierter Zentren ist daher sowohl aus medizinischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll“, heißt es im Grunde schlicht und einfach in der Zusammenfassung der neuen Studie, die jetzt von Karen Laureen Pesta (Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin) und ihren Co-Autoren, unter ihnen der Leiter der Klinik, Richard Crevenna, in der „Wiener Medizinischen Wochenschrift“ online publiziert worden ist (doi: 10.1007/s10354-026-01157-4).
Über 100.000 Betroffene in Österreich
Spätestens nach der Pandemie-Phase sollte laut WHO eine effektive Langzeitbetreuung von Menschen mit anhaltenden Gesundheitsproblemen aufgrund einer Covid-19-Erkrankung erfolgen. Die Wiener Wissenschafter zur Ausgangslage in Österreich: „Da etwa sechs Prozent der Infizierten anhaltende Symptome entwickelten, die heute als Post-Covid-19-Syndrom oder Long Covid bezeichnet werden, umfasst das Langzeitmanagement auch die Betreuung dieser Patienten. Bei rund sechs Millionen bestätigten Infektionen in Österreich entspricht dies weit über 100.000 Betroffenen.“
Autoren der Studie erhoben zwischen August und September 2024 bei Patienten mit Post-Covid-Syndrom deren Einschätzung über die ihnen zuteil gewordene Hilfe und Unterstützung. Die Teilnehmer mussten mindestens 16 Jahre alt sein und nach einer bestätigten Covid-19-Infektion mindestens drei Monate lang anhaltend Symptome aufweisen. Insgesamt wurden 419 Fragebögen digital verschickt, 312 konnten ausgewertet werden. Knapp 84 Prozent der Befragten waren Frauen. Das mittlere Alter der Betroffenen betrug 43 Jahre. 45,5 Prozent berichteten über Long-Covid-Symptome von ein bis zwei Jahren. Insgesamt hatten rund 64 Prozent Symptome über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren.
Stark eingeschränkte Lebensqualität
„Vier von fünf Befragten (82 Prozent) bewerteten ihre Lebensqualität als eher schlecht oder sehr schlecht, während nur 2,2 Prozent eine gute Lebensqualität angaben. Über 90 Prozent berichteten von zumindest häufigen Einschränkungen ihrer Arbeitsfähigkeit, 65,4 Prozent davon dauerhaft. Die Unterstützung durch Familienangehörige spielte eine zentrale Rolle: 90,1 Prozent der Betroffenen gaben an, auf familiäre Pflege oder Hilfe angewiesen zu sein“, schrieben die Wissenschafter.
Die finanzielle Belastung war besonders hoch: 43 Prozent gaben Ausgaben von mindestens 10.000 Euro an, 18,9 Prozent sogar von mehr als 20.000 Euro, so die Angaben in der „Wiener Medizinischen Wochenschrift“. Im Bereich der Gesundheitsversorgung nahmen die Patienten Defizite wahr. Am häufigsten seien ein Mangel an spezialisierten Zentren (90,7 Prozent) und unzureichende Informationen über Behandlungsoptionen (86,2 Prozent) genannt worden. Darüber hinaus hätten 79,8 Prozent der Befragten von Schwierigkeiten beim Zugang zu Fachärzten berichtet. Auch über hohe Zusatzkosten für nicht durch die Krankenkassen erstattungsfähige Therapien und Medikamente wurde geklagt.
„Unzureichende Informationen zur Behandlung“ führten 86,2 Prozent der Post-Covid-Betroffenen an. „Begrenzte Unterstützung durch die Krankenkassen“ sei von zwei Dritteln (67 Prozent) genannt worden.
Grüne fordern faire Versorgung
„Die heute vorliegenden Zahlen bestätigen einmal mehr, was Betroffene seit Jahren berichten: massive Versorgungslücken, fehlende spezialisierte Angebote und enorme finanzielle Belastungen für die Menschen“, reagierte der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner, in einer Aussendung. „Wenn über 80 Prozent der Menschen, die an Post-Covid leiden, ihre Lebensqualität als schlecht bewerten und zwei Drittel mit der Unterstützung durch die Krankenkassen unzufrieden sind, dann ist das ein klarer gesundheitspolitischer Handlungsauftrag und ganz sicher kein Anlass für weitere Verzögerungen. Die Menschen verdienen endlich eine fairere Versorgung, statt dass man es ihnen noch schwerer macht, als sie es ohnehin schon haben“, forderte er.
apa






