von lif 23.04.2026 09:33 Uhr

Teures Südtirol: Was ein normales Leben wirklich kostet

Südtirol gilt als eine der wohlhabendsten Regionen Italiens. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Landschaft schön und der Lebensstandard hoch. Doch immer mehr Menschen kommen am Monatsende kaum über die Runden, obwohl sie Vollzeit arbeiten.

Symbolbild von Frauke Riether auf Pixabay

Die Lebenshaltungskosten in Südtirol liegen laut Berechnungen des Arbeitsförderungsinstituts AFI zwischen 20 und 25 Prozent über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt. Und die Löhne halten nicht mit. Der durchschnittliche Tagesbruttolohn in Südtirol liegt zwar neun Prozent über dem italienischen Wert, aber das reicht nicht, um die deutlich höheren Lebenshaltungskosten auszugleichen. AFI Direktor Stefan Perini bringt es auf den Punkt: „Höhere Kosten als der italienische Durchschnitt, Löhne die sich aber trotzdem am gesamtstaatlichen Niveau orientieren. Eine schwierige Kombination.“

Wer hierzulande einkaufen geht, merkt das schnell. Brot kostet in Bozen durchschnittlich sieben Euro pro Kilogramm, während der italienweite Durchschnitt bei 4,21 Euro liegt. Rindfleisch schlägt mit 26,38 Euro pro Kilo zu Buche. Selbst der Cappuccino am Morgen ist mit 2,29 Euro oder auch mehr der teuerste in ganz Italien. Und das sind keine Luxusprodukte, sondern Alltagsdinge.

Eine vierköpfige Familie in Bozen zahlte 2025 rund 730 Euro mehr als im Vorjahr, nur um zu leben. Zum Vergleich: In anderen italienischen Städten lagen die Mehrkosten deutlich niedriger. Bozen führt damit die Liste der teuersten Städte Italiens an, und das schon seit Jahren. Doch nicht nur das Essen trifft das Budget. Laut ISTAT geben Südtiroler Haushalte im Schnitt rund 3.700 Euro pro Monat für Konsum aus, was fast dem gesamten verfügbaren Haushaltseinkommen entspricht. Für viele Familien bleibt damit nur ein kleiner Rest oder gar nichts zum Sparen. Zusätzlich ist in Südtirol ein Auto kaum vermeidbar und Treibstoff, Versicherung und Wartung summieren sich schnell auf mehrere Hundert Euro im Monat.

Auch das Wohnen drückt auf den Geldbeutel. Die überhitzten Immobilienmärkte gelten laut einer AFI Befragung als einer der zwei entscheidenden Faktoren für die hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol. Wer eine Wohnung mieten will, zahlt Preise, die mit dem lokalen Lohnniveau kaum noch vereinbar sind. Kaufen ist für viele junge Menschen schlicht keine Option mehr. Die Folgen sind sichtbar. Alljährlich verlassen 800 junge Menschen mehr Südtirol als zurückkehren. Als Hauptgründe gelten hohe Lebenshaltungskosten, allen voran das teure Wohnen und die vergleichsweise niedrigen Löhne.

Reich auf dem Papier, eng im Portemonnaie

Nach Angaben von ASTAT liegt das verfügbare Pro Kopf Einkommen bei rund 28.500 Euro im Jahr, ein Südtiroler Haushalt verfügt im Schnitt über rund 45.000 Euro netto pro Jahr. Doch diese Durchschnittswerte täuschen. Sie sagen wenig darüber aus, was am Ende des Monats tatsächlich übrig bleibt, wenn Miete, Lebensmittel, Auto und Nebenkosten bezahlt sind.

Das Thema Inflation und Lebenshaltungskosten wird von Südtirols Arbeitnehmern aktuell als das wichtigste gesellschaftliche Problem überhaupt eingestuft, noch vor Gesundheit, Klima und Arbeitsmarkt. Das ist ein deutliches Signal. Und es zeigt, dass die Schere zwischen dem, was Südtirol nach außen darstellt, und dem, was viele Menschen täglich erleben, größer wird.

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