von ih 22.04.2026 09:36 Uhr

Onlinehandel unter Druck

Die Zahl der Rücksendungen im Online-Handel steigt weiter an – und mit ihr die Kritik an einem System, das für viele Konsumentinnen und Konsumenten selbstverständlich geworden ist. Laut einer aktuellen Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der Universität Linz haben im Jahr 2025 bereits 57 Prozent der Online-Shopper zumindest einmal Ware retourniert. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei 52 Prozent.

Bild von Hannes Edinger auf Pixabay

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Bestellungen über asiatische Plattformen wie Temu oder Shein. Hier liegt die durchschnittliche Retourquote bei 63 Prozent. Noch höher fällt sie bei jüngeren Zielgruppen aus: In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen beträgt sie 67 Prozent, bei den 16- bis 24-Jährigen immerhin noch 63 Prozent.

Für den Präsidenten des Wirtschaftsverbandes hds, Philipp Moser, ist die Entwicklung alarmierend. Retouren seien längst kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Problem des Online-Handels. „Was für Kundinnen und Kunden bequem und kostenlos wirkt, ist in Wahrheit eine teure Illusion“, erklärt Moser. Denn auch wenn viele Händler mit kostenlosen Rücksendungen werben, entstünden die Kosten dennoch – sie würden lediglich entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben.

Modehandel besonders betroffen

Vor allem im Modebereich zeigt sich die Problematik deutlich. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Personen, die Kleidung oder Schuhe online bestellen, schicken zumindest einen Teil der Ware wieder zurück. Hauptgrund dafür sind laut Studie in 71 Prozent der Fälle falsche Größen.

Die Ursachen liegen auf der Hand: fehlende Anprobe, uneinheitliche Größenangaben und oft auch abweichende Erwartungen an das Produkt. Viele Kundinnen und Kunden bestellen daher mehrere Varianten eines Artikels – etwa unterschiedliche Größen – und behalten nur einen Teil. Der Rest geht zurück.

„Wenn Einkaufen immer öfter nach dem Prinzip Bestellen, auswählen, zurückschicken funktioniert, dann ist das weder nachhaltig noch wirtschaftlich sinnvoll“, betont Markus Rabanser, Präsident der Fachgruppe Mode im hds.

Folgen für Umwelt und Wirtschaft

Die steigenden Retourenzahlen haben weitreichende Konsequenzen. Jede Rücksendung verursacht zusätzliche Transporte, erhöht den Verpackungsmüll und sorgt für mehr logistischen Aufwand. Gleichzeitig wächst der Kostendruck für Händler, der letztlich auch bei den Konsumenten ankommt.

Der hds fordert daher ein Umdenken im Konsumverhalten. Der stationäre Handel zeige seit jeher, dass Einkaufen auch anders funktionieren könne: mit persönlicher Beratung, direktem Produkterlebnis und bewussteren Kaufentscheidungen.

Moser warnt abschließend vor den langfristigen Folgen: „Die Gratis-Retoure mag bequem erscheinen, ist aber in Wahrheit ein Bumerang – für Handel, Umwelt und am Ende für uns alle.“ Wenn Kleidung systematisch in mehreren Größen bestellt werde, nur um einen Teil wieder zurückzuschicken, verwandle sich Einkaufen zunehmend in einen temporären Wegwerf-Kreislauf.

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