Brenner-Studie schockt: Verkehr kostet Gesellschaft über 2 Milliarden Euro jährlich

Externe Kosten sind jene Folgekosten, die nicht direkt von den Verursachern bezahlt werden, sondern von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Dazu zählen unter anderem Luftverschmutzung, Lärmbelastung, Klimaschäden sowie wirtschaftliche Folgen durch Staus und Unfälle.
Straße verursacht Großteil der Kosten
Im Zentrum der Untersuchung stand der Vergleich zwischen Gütertransport auf der Straße und auf der Schiene. Das Ergebnis: Der Straßentransport verursacht pro Tonnenkilometer mehr als viermal so hohe externe Kosten wie der Transport auf der Schiene.
„Bei dem von den Transportunternehmen gezahlten Preis hat die Schiene einen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Straßentransport. Dabei wird nämlich weitgehend außer Acht gelassen, welche Kosten für die Allgemeinheit anfallen“, erklärt Verkehrslandesrat René Zumtobel.
Würde echte Kostenwahrheit herrschen, müssten diese Mehrkosten im Transportpreis abgebildet werden. Aktuell sei der Straßentransport dadurch künstlich günstiger als die Schiene.
Brennerkorridor besonders stark belastet
Untersucht wurden mehrere Alpenkorridore – darunter auch die Strecke zwischen München und Verona. Der rund 430 Kilometer lange Brennerkorridor weist dabei die höchsten externen Kosten aller analysierten Übergänge auf.
Ein wesentlicher Grund: Ein hoher Anteil an Umwegverkehr. Laut Studie fährt rund ein Drittel der Transit-Lkw durch Tirol, obwohl eine kürzere Strecke zur Verfügung stünde. Ausschlaggebend dafür seien die vergleichsweise niedrigen Mautkosten entlang des Korridors.
„Die Folgekosten tragen die Menschen in Tirol und Österreich“, so Zumtobel.
Milliardenkosten für Umwelt und Gesundheit
Allein der Gütertransport verursacht jährlich rund 1,1 Milliarden Euro an externen Kosten. Werden zusätzlich die Auswirkungen des Personenverkehrs berücksichtigt, steigt die Summe auf über 2,1 Milliarden Euro pro Jahr.
Diese Belastungen schlagen sich unter anderem in höheren Ausgaben für das Gesundheitssystem, steigenden Kosten zur Anpassung an den Klimawandel sowie einer insgesamt geringeren Lebensqualität nieder.
Besonders gravierend: 96 Prozent der gesamten externen Kosten am Brennerkorridor entstehen auf der Straße, nur vier Prozent entfallen auf den Schienenverkehr.
Schiene deutlich im Vorteil
Die Studie zeigt auch klare Vorteile der Bahn: Der Transport auf der Schiene verursacht deutlich weniger Emissionen und benötigt wesentlich weniger Energie. Konkret entstehen beim Bahntransport 85 Prozent weniger CO2-Emissionen, der Energieverbrauch ist um 80 Prozent geringer und die externen Kosten sind fünfmal niedriger als beim Transport auf der Straße.
Ein zusätzlicher Effekt wird durch den Brenner Basistunnel erwartet: Durch die unterirdische Führung der Güterzüge im Wipptal soll die Lärmbelastung künftig nahezu vollständig entfallen.
Für Verkehrslandesrat Zumtobel ist klar: „Der Transport auf der Straße ist schlichtweg zu günstig und nicht energieeffizient. Es braucht wirtschaftliche Fairness zwischen Schiene und Straße, ansonsten wird die Verlagerung nicht gelingen.“






