Windkraft am Sandjoch in der Kritik

Bedeutung des Brennerraums für den Vogelzug
Südtirol befindet sich im Bereich bedeutender Vogelzugrouten im östlichen Alpenraum. Jedes Jahr überqueren im Herbst Hunderttausende Zugvögel die Alpenpässe in Richtung Süden, während sie im Frühjahr aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika und dem Mittelmeerraum wieder nach Norden bis nach Skandinavien und Sibirien ziehen.
Die „Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz – Südtirol EO“ spricht sich vor diesem Hintergrund gegen die Errichtung eines Windparks am Sandjoch in der Gemeinde Brenner aus. Bereits vor 15 Jahren gab es Pläne der Firma Leitner und der Elektrizitätsgenossenschaft Pflersch, auf dem Sattelberg und dem Sandjoch einen Windpark zu realisieren. Umweltverbände und alpine Vereine legten Rekurs gegen das Vorhaben sowie gegen den Beschluss der Südtiroler Landesregierung ein. Sowohl das Verwaltungsgericht Bozen als auch der Staatsrat in Rom lehnten das Projekt ab.
Unveränderte Risiken für Zug- und Brutvögel
Als Hauptgrund für die Ablehnung wurden die zu erwartenden negativen Auswirkungen auf Zugvögel und streng geschützte Brutvogelarten genannt. Damit schien die Nutzung der Windkraft am Brenner zunächst abgeschlossen, zumal sich die Landesregierung grundsätzlich für ein windparkfreies Südtirol ausgesprochen hatte.
Mit dem Klimaplan sollen nun jedoch Ausnahmen möglich werden. Im Juni 2024 wurde in der Gemeinde Brenner eine Studie zur Realisierung eines Windparks am Sandjoch auf rund 2.000 Metern Meereshöhe vorgestellt – in jenem Gebiet, in dem ein entsprechendes Projekt bereits 2014 endgültig abgelehnt worden war.
Beobachtungen des Vogelzugs am Jaufenpass, am Pfitscherjoch sowie am Sandjoch zeigen seit Jahren eine hohe Zugintensität. An einzelnen Herbsttagen wurden mehrere Tausend Schwalben, Greifvögel, Ringeltauben, Finken und weitere Vogelarten registriert. Mehr als die Hälfte der Kleinvögel, Drosselartigen und Entenvögel zieht dabei nachts. An günstigen Tagen kann die Zugdichte bis zu 5.000 Vögel pro Stunde auf einer Frontbreite von einem Kilometer erreichen, was das Kollisionsrisiko mit Windkraftanlagen erheblich erhöht.
Aus Sicht des Vogelschutzes ist die geplante Anlage daher abzulehnen, da sowohl Zugvögel als auch lokale Brutvogelarten massiv gefährdet wären. Betroffen sind unter anderem Arten wie Steinadler, Birkhuhn, Alpenschneehuhn und Steinhuhn, für die Südtirol aufgrund ihrer alpinen Verbreitung eine besondere Verantwortung trägt.






