Verändert sich unser Konsumverhalten durch den Irankrieg?

Viele Haushalte in Europa erwarten einer aktuellen Umfrage zufolge zeitnah mehr Kostendruck im Alltag. Der Irankrieg beeinflusst zunehmend spürbar das Konsumverhalten auf dem gesamten Kontinent. Über steigende Kosten für Energie, Düngemittel und Logistik wirkt sich der Konflikt direkt auf europäische Haushalte aus, wie aus einer Auswertung des Marktforschungsinstituts YouGov vom 9. April hervorgeht.
Für die Studie wurden zwischen dem 11. und 25. März mehr als 8.000 Erwachsene in sechs europäischen Ländern befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerungen der jeweiligen Länder ab 18 Jahren.
Zwei von fünf Europäern passen Einkaufsverhalten an
Seit Beginn der Lebenshaltungskostenkrise im Jahr 2022 verharre die Preisvorsicht von Verbrauchern auf hohem Niveau, so die Forscher. „Krisen und Kriege, wie der Irankonflikt oder der Ukrainekrieg, verstärken strukturelle Veränderungen im europäischen Konsumgütermarkt“, sagte Stefan Lohmann, Senior Consultant bei YouGov. „Aktuell steigende Kosten treffen auf ein Konsumumfeld, das bereits durch anhaltende Inflation geprägt ist.“
Die Analyse zeigt, dass Verbraucher nicht mit abruptem Verzicht, sondern mit differenzierter Steuerung ihres Einkaufsverhaltens, reagieren. Konkret planen rund zwei von fünf der europäischen Verbraucher ihr Kaufverhalten aktiv anzupassen. Schon jetzt berichten Haushalte in mehreren europäischen Ländern zunehmend von Schwierigkeiten, zentrale Ausgaben wie Energie, Mobilität und Lebensmittel zu stemmen. Viele rechnen damit, in naher Zukunft weitere Einschnitte vornehmen zu müssen.
Energiepreise als Treiber
Der Irankrieg treibt vor allem die Energiepreise in die Höhe. Konflikte in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Öltransportrouten weltweit, sorgen für Unsicherheit auf den Energiemärkten. Die Folge sind höhere Preise für Öl, Gas und Kraftstoffe in ganz Europa.
Diese steigenden Energiekosten wirken sich mehrfach aus: Direkt durch höhere Heiz- und Benzinkosten für Haushalte. Indirekt durch steigende Kosten für Düngemittel in der Landwirtschaft und höhere Logistikkosten im Handel. Und psychologisch durch Inflationsängste und Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft.
Was ändert sich konkret?
Die YouGov Experten betonen, dass der Irankrieg strukturelle Veränderungen verstärkt, die bereits seit 2022 im Gang sind. Dazu gehören europaweit anhaltend hohe Preisvorsicht, Wechsel von Markenartikeln zu günstigeren Handelsmarken, intensiverer Preisvergleich und gezieltere Einkaufsplanung, Reduzierung von Impulskäufen sowie Fokus auf Grundbedürfnisse statt Luxusausgaben. Diese Veränderungen sind laut den Forschern nicht kurzfristig, sondern könnten das Konsumverhalten langfristig prägen, auch wenn der Konflikt endet.
Keine Panik, aber Vorsicht
Trotz der schlechteren Erwartungen zeigen sich kurzfristig noch keine massiven Auswirkungen auf das konkrete Konsumverhalten. Die Menschen kaufen weiter ein, aber eben bewusster und gezielter. Die schlechte Stimmung im März könnte sich in den kommenden Monaten stärker im tatsächlichen Kaufverhalten niederschlagen.
Sollte der Irankrieg länger andauern und die Energiepreise weiter steigen, könnte die Verbraucherstimmung noch stärker einbrechen. Die Hoffnung bleibt, dass eine diplomatische Lösung die Energiepreise wieder sinken lässt.
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