Welttag der Gesundheit- „Abhängigkeit verschwindet nicht“

Ganzheitlicher Blick statt rein medizinischer Ansatz
Vor diesem Hintergrund fordert Bruno Marcato, Direktor des Sozialunternehmens HANDS KDS, ein grundlegendes Umdenken. Gesundheit dürfe nicht länger ausschließlich medizinisch betrachtet werden. Vielmehr müssten Lebensweise, soziale Zusammenhänge sowie die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Umwelt und Tieren stärker berücksichtigt werden.
Ansätze wie „One Health“ verfolgen genau diesen erweiterten Blick. Sie verbinden die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt und fordern neue Denk- und Handlungsweisen im Alltag und in der Gesellschaft. Gleichzeitig wachse das Bewusstsein, dass ein rein menschenzentrierter Zugang zunehmend an seine Grenzen stoße.
Sucht als langfristige Herausforderung
Für das Sozialunternehmen HANDS KDS, das jährlich rund 1.500 Menschen mit Suchtproblemen begleitet, ist dieser Ansatz zentral. Sucht werde nicht als kurzfristiges Problem verstanden, sondern als langfristige Herausforderung, die weit über den reinen Verzicht hinausgehe.
„Abhängigkeit verschwindet nicht einfach, sie bleibt im Hintergrund bestehen und verlangt ständige Aufmerksamkeit“, erklärt Bruno Marcato. Entscheidend sei der Moment, in dem Betroffene beginnen, ihre Situation aktiv zu verändern.
Gerade nach der akuten Phase beginne die eigentliche Arbeit: Gewohnheiten müssten verändert, Beziehungen neu gestaltet und neue Perspektiven entwickelt werden. HANDS KDS setzt dabei auf Programme, die Ressourcen stärken und neue Erfahrungen ermöglichen – etwa durch gemeinschaftliche Aktivitäten oder Angebote in der Natur.
Netzwerk für Rehabilitation und Wiedereingliederung
Die Arbeit des Therapiezentrums orientiert sich an einem erweiterten Gesundheitsbegriff. Im Mittelpunkt steht die Förderung von Lebensqualität sowie ein langfristig stabiler Gesundheitszustand. Gesundheit wird dabei als Prozess verstanden, der beim Einzelnen beginnt und sich im sozialen und ökologischen Umfeld entfaltet.
HANDS KDS hat seinen Sitz in Bozen und betreibt Außenstellen in Meran und Bruneck. Mehr als 50 hauptamtliche Mitarbeiter – darunter Ärzte, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter und Pädagogen – sowie über 40 Ehrenamtliche arbeiten in verschiedenen Projekten mit. Gemeinsam bieten sie ein breites Netzwerk aus Ambulatorien, Tageszentren, Selbsthilfegruppen und geschützten Werkstätten, um Betroffenen eine umfassende Rehabilitation und soziale Wiedereingliederung zu ermöglichen.






