von mmh 03.04.2026 12:43 Uhr

Umweltverbände schlagen Alarm wegen neuer Tourismusprojekte

Die Entscheidung der Südtiroler Landesregierung, die Frist für die Realisierung von Gästebetten in bestehenden Tourismuszonen zu verlängern, sorgt für scharfe Kritik. Der Heimatpflegeverband Südtirol und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz reagieren mit deutlichem Unverständnis und warnen vor weitreichenden Folgen für Landschaft und Raumordnung.

(Bild: Heimatpflegeverband Südtirol)

Verlängerung ermöglicht neue Tourismusprojekte

Mit der Fristverlängerung erhalten rund die Hälfte aller Südtiroler Gemeinden die Möglichkeit, bisher nicht genutzte Bettenrechte um weitere fünf Jahre zu verlängern. Aus Sicht der Umweltverbände wird damit der Weg für neue touristische Großprojekte geebnet.

Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes Südtirol, kritisiert die Entscheidung deutlich: „Vor vier Wochen wurden über 10.000 Unterschriften für den Erhalt des Bettenstopps übergeben. Dass dieses klare Signal aus der Bevölkerung offenbar keine Rolle spielt, ist nicht nachvollziehbar.“ Die Entscheidung sei kurz vor Ostern gefallen und komme für viele überraschend.

Auch Elisabeth Ladinser, Präsidentin des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz, betont, dass es nicht um die Weiterentwicklung bestehender Betriebe gehe. Diese sei weiterhin über bestehende Bettenkontingente möglich. Vielmehr gehe es um die Ausweitung von Tourismuszonen und damit um neue Hotelprojekte, auch auf bislang unbebauten Flächen.

Zweifel an Glaubwürdigkeit der Raumordnung

Die Verbände sehen in der Entscheidung eine Schwächung eines zentralen Instruments der Raumplanung. Bereits in den vergangenen Jahren seien sowohl die Zahl der Gästebetten als auch die touristischen Belastungen deutlich gestiegen.

„Der Bettenstopp ist ein wesentliches Steuerungsinstrument. Wenn dieses Instrument schrittweise aufgeweicht wird, hat die Politik ihre Glaubwürdigkeit verloren“, so Ladinser. Eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus erfordere klare Grenzen und müsse sich an den Interessen der gesamten Bevölkerung orientieren.

Auch Plaikner unterstreicht, dass die aktuelle Entscheidung vor allem großen Investoren zugutekomme. Aus Sicht der Verbände drohe damit eine weitere Zunahme großdimensionierter Tourismusprojekte in der Südtiroler Landschaft.

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