von lif 03.04.2026 16:12 Uhr

Schoko-Lüge: Was steckt wirklich im Osterhasen

Schokohasen gehören zu Ostern wie gefärbte Eier und Ostereiersuche. Doch was steckt eigentlich in den glänzend verpackten Figuren? Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 und die entwicklungspolitische Organisation Südwind haben 32 Schoko-Osterhasen aus österreichischen Supermärkten unter die Lupe genommen.

Bild: APA (dpa)

Der Osterhasen-Check 2025/2026 verwendet ein einfaches Ampelsystem: Grün steht für Gütesiegel mit weitreichenden ökologischen und sozialen Kriterien, Gelb für Siegel mit einigen Standards, Rot für Produkte ohne unabhängige Zertifizierung.

Die gute Nachricht ist, dass 28 der 32 getesteten Osterhasen mindestens ein unabhängiges Gütesiegel aufweisen konnten. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei rund 75 Prozent. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, sagt Gudrun Glocker von Südwind. Besonders positiv fällt die Verbesserung beim Branchenriesen Lindt auf. Seit Anfang 2026 lässt das Unternehmen 100 Prozent seines Kakaos zusätzlich zum eigenen Nachhaltigkeitsprogramm durch die Rainforest Alliance zertifizieren. Das war zuvor nicht der Fall.

Die Testsieger: Bio liegt vorne

Die besten Bewertungen erhielten Bio-Osterhasen. Grün in beiden Bereichen, also sowohl sozial als auch ökologisch, schnitten unter anderem ab: der Veggie und Natur Pur Bio-Osterhase von Spar, der BIO Natura Schokohase von Hofer und verschiedene Bio-Produkte von Billa.

Bio-Produkte zeichnen sich durch den Verzicht auf synthetische Pestizide und Düngemittel aus. Der Anbau schont Böden und Gewässer und fördert die Artenvielfalt. Gleichzeitig sind bei vielen Bio-Siegeln auch soziale Mindeststandards vorgeschrieben, wie zum Beispiel das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit.

Auch Produkte mit Fairtrade-Siegel erhielten grüne Bewertungen im sozialen Bereich. Fairtrade garantiert Kakaobauern einen Mindestpreis und eine zusätzliche Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Das schafft ein gewisses Maß an Planungssicherheit – besonders wichtig in Zeiten stark schwankender Kakaopreise.

Die Verlierer

Vier Osterhasen kassierten eine doppelt rote Bewertung. Diese wiesen keinerlei unabhängige ökologische oder soziale Siegel vor. Alle stammen aus dem Hause Ferrero: der Ferrero Rocher Osterhase, die Ferrero Kinder Hohlfigur, der Ferrero Yogurette Hase und weitere Kinder-Produkte. „Eigene Nachhaltigkeitsprogramme, auf die vor allem große Unternehmen setzen, sind kein Ersatz für unabhängige Zertifizierungen“, kritisiert Glocker. „Konsumenten können sich nicht darauf verlassen, dass selbst definierte Kriterien bei der Herstellung der Schokolade eingehalten werden. Konzern-Initiativen sind oft intransparent und es wird nicht unabhängig kontrolliert.“

Ferrero verweist auf eigene Nachhaltigkeitsstrategien. Diese seien jedoch nicht von unabhängigen Stellen kontrolliert und böten keine Transparenz für Verbraucher, so die Kritik der Tester.

Das Problem: Kinderarbeit und Ausbeutung

Die meisten Kakaobohnen, die österreichische und deutsche Betriebe einkaufen, stammen aus Ghana und der Elfenbeinküste. In beiden westafrikanischen Ländern stellen Kinder- und Zwangsarbeit große Probleme dar. Laut Schätzungen arbeiten über zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen.

Gleichzeitig verdienen Kakaobauern extrem wenig. Viele leben unterhalb der Armutsgrenze. Die weltweiten Kakaopreise leiden aktuell unter starken Schwankungen und sind zuletzt stark gesunken. Preisschwankungen setzen Kakaobauern, die ohnehin schon mit klimabedingten Ernteausfällen zu kämpfen haben, unter zusätzlichen Druck.

Der Siegel-Dschungel

Für Verbraucher ist der Siegel-Dschungel oft verwirrend. Die wichtigsten im Überblick:

Fairtrade: Der Kakao stammt von Fairtrade-zertifizierten Betrieben. Bauern erhalten einen Mindestpreis und eine Prämie. Soziale Mindeststandards müssen eingehalten werden, ausbeuterische Kinderarbeit ist verboten. Auf der ökologischen Seite gibt es jedoch nur Mindestanforderungeh.

Rainforest Alliance: Fokus auf Umweltschutz und nachhaltige Landwirtschaft. Synthetische Pestizide sind eingeschränkt, aber nicht verboten. Soziale Standards sind vorhanden, aber weniger weitreichend als bei Fairtrade.

Bio-Siegel (EU-Bio, Naturland, Demeter): Verbieten synthetische Pestizide und Düngemittel. Fördern Artenvielfalt und Bodenschutz. Soziale Standards variieren je nach Siegel – Naturland und Demeter haben strengere Vorgaben als das EU-Bio-Siegel.

Unternehmenseigene Programme: Viele große Konzerne haben eigene Nachhaltigkeitsinitiativen. Diese sind oft nicht transparent und werden nicht unabhängig kontrolliert. Daher erhalten sie im Osterhasen-Check keine positive Bewertung.

Was steckt in der Schokolade?

Abgesehen von sozialen und ökologischen Aspekten ist auch die Qualität entscheidend. Der Kakaoanteil variiert stark, denn während hochwertige Schokolade oft 30 bis 40 Prozent Kakao in Vollmilchschokolade enthält, liegt der Anteil bei günstigen Produkten teilweise niedriger. Hauptbestandteile von Milchschokolade sind: Zucker, Kakaomasse, Kakaobutter, Milchpulver und oft Emulgatoren wie Lecithin, die die Schokolade geschmeidiger machen. Vanillin wird als Aromastoff eingesetzt.

Günstige Schokolade setzt oft auf minderwertige Zutaten und eine höhere Menge an Zusatzstoffen. Studien zeigen, dass mehr als 30 Prozent der handelsüblichen Schokoladen zweifelhafte Inhaltsstoffe oder unklare Ursprünge aufweisen. Statt hochwertigem Kakao aus nachhaltigen Quellen kommt dann Massenware zum Einsatz.

Geschmackstest: Teuer ist nicht immer besser

Das Gourmetmagazin Gault&Millau führte eine Blindverkostung von Osterhasen aus österreichischen Supermärkten durch. Die Jury beurteilte Optik, Aroma und Mundgefühl. Das Ergebnis: Teuer ist nicht automatisch besser. Auch günstigere Bio-Produkte schnitten geschmacklich gut ab.

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