Altreifen stauen sich in Südtirols Werkstätten

Besonders stark betroffen ist Südtirol aufgrund der saisonalen Doppelbelastung. Kfz-Mechatroniker montieren im Frühjahr Sommerreifen und im Herbst Winterreifen – entsprechend hoch ist die Menge an ausgedienten Pneus. Für die Betriebe bedeutet das zunehmenden Lagerdruck, steigenden Platzbedarf und zusätzlichen organisatorischen Aufwand.
Während die zuständigen Konsortien betonen, dass die vorgeschriebenen Sammelquoten erfüllt werden, sehen viele Werkstätten die Situation anders. Aus ihrer Sicht bilden die offiziellen Zahlen die Realität nicht ab. „Die Mengen, die tatsächlich anfallen, werden im System nicht ausreichend berücksichtigt“, heißt es aus Branchenkreisen.
Zusätzlichen Druck erzeugen illegale Marktströme. Immer wieder gelangen Altreifen aus dem Ausland nach Italien, wo sie kostenlos entsorgt werden. Gleichzeitig kommen importierte Neureifen in Umlauf, für die keine korrekten Entsorgungsbeiträge (PFU) entrichtet wurden. Das belastet das ohnehin angespannte System zusätzlich.
Auch bei Abholung und Abrechnung kommt es laut Betrieben zu Problemen. So berichten Werkstätten von falsch erfassten Gewichten und zusätzlichen Kosten – obwohl die Entsorgung bereits über den PFU-Beitrag im Kaufpreis der Reifen bezahlt wurde. Selbst wenn die vorgesehenen Kontingente ausgeschöpft sind, werden Altreifen zwar abgeholt, jedoch nur gegen Bezahlung. Für einen Lkw-Transport können dabei rund 500 Euro anfallen.
„Die Betriebe bezahlen die Entsorgung bereits im Voraus – und werden dennoch zusätzlich belastet“, kritisiert lvh-Obfrau Julia Genetti. Sie fordert eine realitätsnahe Anpassung der Sammelquoten sowie eine Erhöhung der Kontingente, um den tatsächlichen Mengen gerecht zu werden.
Für den lvh ist klar: Das bestehende System erfüllt zwar formale Vorgaben, funktioniert in der Praxis jedoch nur eingeschränkt. Neben einer deutlichen Anhebung der Sammelquote – insbesondere in Regionen mit starkem saisonalem Reifenwechsel – brauche es mehr Transparenz, strengere Kontrollen entlang der Lieferkette und verlässliche Rahmenbedingungen.
„Solange die realen Mengen nicht berücksichtigt werden, bleibt das System auf dem Papier korrekt – in der Praxis funktioniert es nicht“, so Genetti. „Unsere Betriebe brauchen Lösungen, keine theoretischen Quoten.“






