Supermarkt-Apps: Kleine Rabatte, große Datensammlung

Viele Supermarktketten bieten inzwischen eigene Apps für Smartphones an. Wer sie nutzt, kann von Rabattaktionen, speziellen Coupons oder Gewinnspielen profitieren. Manche Anwendungen ermöglichen sogar das direkte Bezahlen im Laden per QR-Code, Strichcode oder Zahlencode. Dafür müssen Nutzerinnen und Nutzer bei der Registrierung jedoch meist persönliche Daten und teilweise auch Zahlungsinformationen hinterlegen.
Das Hauptziel der Anbieter liegt laut Verbraucherschützern jedoch weniger im Sparvorteil für die Kundschaft als vielmehr in der langfristigen Kundenbindung. „Für mich als Verbraucherschützerin stellt sich die Frage, ob wirklich die Verbraucher:innen von der App-Nutzung profitieren oder nicht vielmehr die Handelsketten“, sagt Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol.
Tatsächlich fällt die finanzielle Ersparnis häufig geringer aus als erwartet. Eine Untersuchung der Preisvergleichs-App Smhaggle für die Deutsche Presse-Agentur zwischen Januar und März 2025 ergab, dass die tatsächliche Einsparung durch App-Rabatte im Durchschnitt nur zwischen 0,75 und 2,29 Prozent liegt. Bei einem Einkauf von 100 Euro entspricht das lediglich einer Ersparnis von maximal rund 2,29 Euro.
Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass Supermarkt-Apps das Einkaufsverhalten verändern können. In einer repräsentativen Befragung der deutschen Verbraucherzentralen gaben 67 Prozent der App-Nutzer an, bereits zusätzliche Produkte gekauft zu haben, um Bonuspunkte zu sammeln oder bestimmte Mindestsummen zu erreichen. Rund 60 Prozent erklärten, dass sich ihr Einkaufsverhalten durch die Nutzung der Apps insgesamt verändert habe.
Nach Ansicht von Experten setzen Handelsketten dabei gezielt auf psychologische Mechanismen. Zeitlich begrenzte Angebote, angeblich nur noch kurz verfügbare Produkte oder spielerische Bonusprogramme sprechen das Belohnungssystem im Gehirn an und können dazu führen, dass Verbraucher länger in der App bleiben und mehr Geld ausgeben.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Umgang mit persönlichen Daten. Wer eine Supermarkt-App oder eine digitale Treuekarte nutzt, gibt den Unternehmen detaillierte Einblicke in sein Einkaufsverhalten. Händler können so genau nachvollziehen, wann, wo und wie oft jemand einkauft – und welche Produkte in welchen Mengen im Einkaufswagen landen. Diese Informationen werden häufig für personalisierte Werbung und Marktanalysen genutzt.
Verbraucherschützer sprechen deshalb von einem „asymmetrischen Tauschgeschäft“: Für relativ geringe Preisvorteile geben Kundinnen und Kunden umfangreiche Daten über ihr Konsumverhalten preis. Diese Daten ermöglichen es den Handelsketten wiederum, individuelle Nutzungsprofile zu erstellen und Kaufentscheidungen gezielt zu beeinflussen.
Die Verbraucherzentrale Südtirol rät daher, genau abzuwägen, ob sich die Nutzung solcher Apps tatsächlich lohnt. Wer sich dennoch dafür entscheidet, sollte bei der Registrierung die Datenschutzeinstellungen sorgfältig prüfen und – wenn möglich – einzelne Zustimmungen deaktivieren.
Wer wirklich sparen möchte, könne laut den Verbraucherschützern oft mehr erreichen, indem er gezielt die Aktionsangebote verschiedener Händler vergleicht, statt sich ausschließlich auf ein einzelnes Bonusprogramm zu verlassen.






