von ih 16.03.2026 07:16 Uhr

Großes Interesse an Infoabend zu geplanter Starkstromleitung

Mehr als 250 interessierte und besorgte Bürger sind der Einladung zu einem Informationsabend im Kolpingsaal Lienz gefolgt, bei dem die geplante 220-kV- und 380-kV-Starkstromleitung durch Osttirol und Kärnten im Mittelpunkt gestanden ist. Die Veranstaltung beleuchtete vor allem die offenen Fragen rund um das Projekt sowie mögliche Lösungen im Hinblick auf Umweltverträglichkeit und den Schutz der Bevölkerung.

Foto: Verena Steiner

Als Beispiel für nachhaltige Energieinfrastruktur wurde die Schweiz angeführt. Dort werde vor dem Bau großer Stromtrassen geprüft, ob eine Erdverkabelung möglich ist.

Studien zeigten, dass solche umweltverträglicheren Technologien grundsätzlich finanzierbar seien. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die Kosten für den Ausbau der europäischen Stromnetze letztlich von den Endverbrauchern getragen werden – obwohl Regionen wie Osttirol und Kärnten mit ihren Wasserkraftwerken bereits heute vergleichsweise gut mit Energie versorgt sind.

Ein weiterer zentraler Punkt des Abends war die Forderung nach einer aktuellen Bedarfsanalyse. Zwar gehen Prognosen von einem steigenden Energiebedarf in den kommenden Jahrzehnten aus, doch müsse dies nicht zwangsläufig mehr öffentliche Stromerzeugung und -verteilung bedeuten. Viele Haushalte und Unternehmen hätten bereits selbst in Photovoltaikanlagen investiert.

Die Experten Prof. Dr. Eberhard Burkel, Physiker, und der Betriebswirt Eberhard Faust informierten in ihren rund zweistündigen Vorträgen über mögliche Auswirkungen des EU-Projekts.

Vorgesehen ist eine 380-kV-Leitung von Obersielach in Kärnten nach Nußdorf-Debant sowie eine anschließende 220-kV-Verbindung nach Italien. Diskutiert wurden unter anderem mögliche gesundheitliche Folgen für Mensch und Tier, Auswirkungen auf Natur und Tourismus, Wertverluste bei Immobilien und landwirtschaftlichen Flächen sowie die Kritik an unzureichender Information der Bevölkerung.

Besonders kritisch gesehen werden die geplanten Strommasten, die bis zu 90 Meter hoch und 40 Meter breit sein könnten. Viele Teilnehmer sprachen sich gegen einen Bau in dieser Form aus und nannten eine Erdverkabelung als mögliche Alternative. Der vollbesetzte Kolpingsaal setzte damit ein deutliches Signal an die Politik, die Anliegen der Bevölkerung in den weiteren Planungen zu berücksichtigen.

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