Neues Buch enthüllt die vergessene Geschichte des Südtiroler Unterlands

Eine Region mit bewegter Geschichte
Das Unterland beschreibt Demanega als „umkämpftes Land“. Schon in der Antike sei der Landstrich Schauplatz zahlreicher Konflikte gewesen: Räter, Römer und Germanen hätten um die Kontrolle der Region gerungen. Später folgten Auseinandersetzungen zwischen Bajuwaren und Langobarden, Konflikte lokaler Adelsfamilien sowie größere militärische Konflikte mit Bayern und in der Zeit Napoleons.
Doch auch politisch spielte das Gebiet eine bedeutende Rolle. „Für mich war überraschend, welche wesentliche Rolle das Unterland in der politischen Geschichte Tirols gespielt hat – und wie wenig Bewusstsein darüber heute besteht“, sagt Demanega im Gespräch mit UT24.
Ein zentraler Teil seines Buches beschäftigt sich mit der Ausbreitung der deutschen Sprache südlich von Bozen. Laut Demanega entwickelte sich im 17. Jahrhundert eine Sprachgrenze nördlich von Trient, mit deutschen Sprachinseln bis zum Gardasee. In den folgenden Jahrhunderten verschob sich diese Grenze jedoch wieder nach Norden bis nach Salurn.
Politische Konflikte im 19. Jahrhundert
Besonders ausführlich widmet sich das Buch den politischen Entwicklungen im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit sei die Idee der deutschen Nation entstanden, die auch in Tirol zahlreiche Anhänger gefunden habe.
Dabei kam es zu Konflikten zwischen verschiedenen politischen Strömungen. Während deutschfreiheitliche Gruppen stärker auf den deutschen Kulturraum blickten, hätten klerikal-konservative Kräfte eine andere Linie verfolgt. Für sie habe die ethnische Durchmischung des Etschtals im Sinne der Landes- und Glaubenseinheit Tirols durchaus Vorteile gehabt.
Demanega sieht gerade in dieser Zeit wichtige Schlüssel zum Verständnis der heutigen Situation: „Die Geschichtsschreibung vermeidet es oft, die Jahre zwischen 1815 und 1915 genauer aufzuarbeiten. Dabei zeigen sich hier Entwicklungen, die wesentlich sind, um unsere Gegenwart zu verstehen.“
Der Deutsche Schulverein und der Kampf um Sprache
Ein weiteres zentrales Thema ist der Deutsche Schulverein, der 1880 in Wien gegründet wurde. Nach Darstellung Demanegas gingen wichtige Impulse für diese Bewegung aus dem Deutschnonsberg und dem Unterland aus.
Ziel des Vereins war es, deutsche Schulen, Lehrkräfte und Unterrichtsmaterialien zu sichern, besonders in Regionen mit sprachpolitischen Spannungen. Der Historiker Josef Fontana bezeichnete den Schulverein laut Demanega sogar als „die einzige ernst zu nehmende Kraft“, die dem italienischen Irredentismus entgegentrat.
Auch in Südtirol spielte der Verein später eine Rolle, etwa bei den Katakombenschulen in der Zeit des Faschismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Österreichische Landsmannschaft als Rechtsnachfolger gegründet und setzte diese kulturelle Arbeit fort.
Vom Ende Tirols bis zur Gegenwart
Ein Wendepunkt in der Geschichte sei laut Demanega die Annexion Südtirols im Jahr 1919 gewesen. Auch danach blieb die Entwicklung des Unterlands politisch umstritten. Besonders die Grenzziehungen zwischen der Provinz Trient und der Provinz Bozen in den Jahren 1927 und 1945 hätten Auswirkungen auf die Region gehabt.
In seinem Buch wagt Demanega schließlich auch einen Blick in die Zukunft Südtirols. Dabei gehe es vor allem um die Frage, wie kulturelle Identität und politische Perspektiven der Region künftig gestaltet werden können.
Motivation des Autors
Für Demanega war die Arbeit an dem Buch auch eine persönliche Angelegenheit. „Mich hat die Liebe zum Unterland motiviert, dieses Büchlein zu schreiben“, erklärt er. Gleichzeitig habe ihn die aus seiner Sicht einseitige Darstellung mancher historischer Ereignisse dazu bewegt, sich intensiver mit der Geschichte der Region auseinanderzusetzen.
Sein Ziel sei es gewesen, eine Diskussion anzustoßen und bisher wenig beachtete Aspekte der Tiroler Geschichte stärker ins Bewusstsein zu rücken. „Es gibt noch vieles aufzuarbeiten“, sagt der Autor. Eine vertiefte historische Aufarbeitung könne dazu beitragen, heutige politische Positionen neu zu bewerten.
Die Eckartschrift erscheint in der Reihe der Österreichischen Landsmannschaft in Wien, die als Nachfolgeorganisation des Deutschen Schulvereins gilt. Der Erlös aus dem Verkauf kommt laut Herausgeber deutschen Minderheiten in Europa zugute.






