von lif 11.03.2026 08:17 Uhr

Der September-Effekt: Warum die halbe Welt im selben Monat Geburtstag hat

Jedes Jahr das gleiche Phänomen: Im September häufen sich die Geburtstagsfeiern. Zufall? Nein, denn die Statistik zeigt ein weltweites Muster, das Forscher seit 200 Jahren beschäftigt.

Bild: APA/THEMENBILD

Laut Daten der Vereinten Nationen ist September weltweit der häufigste Geburtsmonat. Besonders deutlich wird das in den USA: Wie die Statistikplattform FiveThirtyEight anhand von Millionen Geburten zwischen 1994 und 2014 ermittelte, fallen neun der zehn häufigsten Geburtstage in den September. Der absolute Spitzenreiter: der 9. September, an dem durchschnittlich über 12.000 Babys pro Jahr zur Welt kommen.

Auch in Deutschland zeigt sich laut dem Statistischen Bundesamt das gleiche Bild. Die höchsten Geburtenzahlen verzeichnet das Land in den Sommermonaten und im beginnenden Herbst. Interessant ist, dass sich diese Verteilung erst seit den 1980er Jahren herausgebildet hat, wie t-online berichtet. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Februar und März die geburtenstärksten Monate.

Die Geografie macht den Unterschied

Das weltweite Muster ist allerdings komplexer, als es zunächst scheint. Laut einer Studie in der Fachzeitschrift Scientific Reports variieren die Geburtsmonate je nach Breitengrad erheblich. In höheren Breitengraden der nördlichen Hemisphäre (also in Europa und Nordamerika) dominieren Juli, August und September. In subtropischen und tropischen Ländern verschiebt sich der Peak auf Oktober, November und Dezember. Auf der Südhalbkugel wiederum sind März, April und Mai die häufigsten Geburtsmonate.

Die Erklärung ist simpel: Rechnet man vom September neun Monate zurück, landet man im Dezember. Die Weihnachts- und Neujahrszeit gilt als die fruchtbarste Phase des Jahres. Laut der Wissenschaftsplattform medRxiv spielen dabei mehrere Faktoren zusammen: längere gemeinsame Zeit zu Hause, festliche Stimmung, kälteres Wetter und die Urlaubszeit erhöhen die Empfängnisrate deutlich. Eine Studie mit über 500.000 Teilnehmern aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Brasilien zeigt, dass sowohl saisonale sexuelle Aktivität als auch biologische Fruchtbarkeitszyklen die Geburtenverteilung beeinflussen. Die Forscher kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Menschen sind „short-day breeders“, die höchste Fruchtbarkeit liegt um die Wintersonnenwende.

Biologie, Klima, Kultur

Die wissenschaftliche Forschung hat zahlreiche Faktoren identifiziert, die die Geburtensaisonalität beeinflussen. Wie eine Meta-Analyse im Fachjournal Scientific Reports zeigt, spielt die Temperatur eine zentrale Rolle. Hohe Sommertemperaturen reduzieren die Empfängnisrate. Vermutlich durch verminderte Spermienqualität bei Männern und reduzierte Fruchtbarkeit bei Frauen. Laut einer Studie in PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) kann extreme Hitzeexposition während der Schwangerschaft sogar langfristige Auswirkungen haben: Ein zusätzlicher Tag mit Temperaturen über 32 Grad Celsius im Mutterleib ist mit einer 0,1-prozentigen Reduktion des späteren Einkommens im Alter von 30 Jahren verbunden.

Auch die Tageslänge spielt eine Rolle. Wie Forscher der Royal Society berichten, beeinflusst der Photoperiode-Effekt über Melatonin die menschliche Fruchtbarkeit. In Ländern mit extremen Breitengraden, wie zum Beispiel in Skandinavien, seien diese Effekte besonders ausgeprägt.

Die seltensten Geburtstage

Am anderen Ende der Skala steht der 29. Februar, logischerweise als der seltenste Geburtstag, da er nur alle vier Jahre vorkommt. Wie The Bump berichtet, liegt die Wahrscheinlichkeit, an diesem Tag geboren zu werden, bei nur eins zu 1.461. Auch die Feiertage sind unbeliebt als Geburtstage. Laut US-Statistiken gehören der 24. und 25. Dezember sowie der 1. Januar zu den zehn seltensten Geburtstagen. Ein Grund dafür sei wohl, dass diele Geburten heute geplant werden und Ärzte sowie werdende Eltern Feiertage bewusst vermeiden. Der seltenste Geburtsmonat ist auch der Februar. Laut CDC-Daten wurden in den USA 2023 nur 271.000 Babys im Februar geboren, verglichen mit über 320.000 im August.

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