ORF-Chef tritt sofort zurück – Vorwürfe der sexuellen Belästigung

„Meinem Mandanten liegt bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher (…) mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück“, reagierte Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum in einer Aussendung. Die „mediale Verbreitung der in keinster Weise aufgeklärten Vorwürfe“ stelle eine „völlig unangemessene und überschießende Reaktion“ dar.
Anwalt kündigt rechtliche Schritte an
„Diese Vorgehensweise, wie auch eine allfällige Wiedergabe der Vorwürfe durch Dritte, verletzen die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten massiv“, so Scherbaum. Der Anwalt kündigte rechtliche Schritte an.
Weißmann sei vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt worden, „dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird“, hieß es im Anwaltsschreiben. Ihm sei seitens des Stiftungsrates eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt worden, um seinen Rücktritt zu erklären, „obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte“.
Stiftungsrat: "rasche Aufklärung" nötig
Der im Raum stehende Vorwurf verlange „eine rasche und transparente Aufklärung in enger Kooperation mit der ORF-Compliance-Stelle“, bei der die Wahrung des Schutzes der betroffenen Person das oberste Ziel sein müsse, so Lederer und sein Stellvertreter Georg Schütze. Ingrid Thurnher übernimmt interimistisch, hieß es.
Die Sitzungen des Stiftungsrats in dieser Woche werden wie geplant stattfinden. Bereits in der Plenarsitzung am Donnerstag soll die amtierende Hörfunkdirektorin Thurnher auf Vorschlag von Schütze und Lederer mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des Generaldirektors beauftragt werden. Sie werde den ORF „aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung in leitenden redaktionellen Funktionen und nun seit mehr als vier Jahren im Direktorium hervorragend führen“.
Wahl des neuen Direktorats im Sommer
„Es ist die Verantwortung des ORF-Stiftungsrats, nun rasch die nötigen Schritte zu setzen, damit die erhobenen Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können und die reibungslose Fortführung der Geschäftsführung garantiert ist. Mit der von uns als Generaldirektorin vorgeschlagenen Ingrid Thurnher ist dies sichergestellt“, betonte Lederer. „Mit der entschiedenen Vorgangsweise zeigt der ORF-Stiftungsrat, dass er auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt“, ergänzte Schütze.
Am Fahrplan für die Neubestellung der ORF-Geschäftsführung für die Periode ab 1. Jänner 2027 ändert sich nichts, wurde betont. Die Ausschreibung zur Wahl der Generalintendanz soll ab 1. Mai erfolgen. Gewählt wird am 11. August. Weißmann galt bisher als Favorit.
APA






