von lif 08.03.2026 10:52 Uhr

Negative Trendwende bei Wartezeiten im Gesundheitswesen

Die Wartezeiten im Südtiroler Gesundheitswesen haben sich 2025 in wichtigen Bereichen verschlechtert. Der Verbraucherschutzverein Robin spricht von einer „3-Klassen-Medizin“.

Bild: APA/dpa

Die aktuellen Daten des Südtiroler Sanitätsbetriebs (SABES) zeichnen laut Robin ein alarmierendes Bild. Die Situation habe sich in zentralen Bereichen nicht nachhaltig verbessert, sondern teils deutlich verschlechtert. Besonders dramatisch sei die Entwicklung bei einigen diagnostischen Leistungen:

  • Koloskopie: bis 361 Tage (2024: 303 Tage), also ein Jahr
  • Dopplerechographie Arterien untere Extremitäten: bis 311 Tage (306)
  • Ultraschall Schilddrüse: bis 291 Tage (272)
  • Mammographie beidseitig: bis 268 Tage (233)
  • Elektromyographie untere Extremitäten: bis 247 Tage (270)

„Eine durchschnittliche Wartezeit von bis zu 361 Tagen bei der Koloskopie ist medizinisch nicht vertretbar“, kritisiert Robin in einer Aussendung. Bei den Erstvisiten zeigt sich ein gemischtes Bild:

  • Dermatologie: bis 213 Tage (2024: 319) – Verbesserung
  • Urologie: bis 194 Tage (175) – Verschlechterung
  • Gastroenterologie: bis 122 Tage (291) – deutliche Verbesserung
  • Endokrinologie: 88 Tage (155) – deutliche Verbesserung

Während sich einige Bereiche verbessert haben, bleibe die Urologie auf problematischem Niveau. Besonders gravierend ist laut Robin die Situation bei der Prioritätskategorie B-Prioritär. Hier dürfe die maximale Wartezeit nur zehn Tage betragen. Im Jahr 2025 werden in keinem Monat in den Fachrichtungen Kardiologie, Gefäßchirurgie, Physiatrie, Neurologie, HNO, Orthopädie und Urologie Termine im Durchschnitt fristgerecht vergeben. Die Zahl jener Bereiche, in denen die durchschnittliche Wartezeit die Garantiezeit um mehr als 50 Prozent überschreitet, hat zugenommen.

Große Unterschiede zwischen Fachbereichen

Die Auswertung der Einhaltung der Garantiezeiten zeigt große Unterschiede:

  • Beste Performance: Endokrinologie bei programmierten Visiten – von 42 Prozent fristgerechter Vergabe 2024 auf 100 Prozent im Jahr 2025
  • Schlechteste Entwicklung: Urologie bei programmierten Visiten – von 91 Prozent im Jahr 2024 auf 27 Prozent fristgerechte Vergabe 2025

Robin warnt vor „Drei-Klassen-Medizin“

Robin warnt vor einer sozialen Spaltung im Gesundheitswesen. Man spreche längst nicht mehr nur von einer Zwei-Klassen-Medizin, sondern zunehmend von einer „Drei-Klassen-Medizin“:

  1. Erste Klasse: Bürger, die sich private oder intramurale Leistungen jederzeit leisten können
  2. Zweite Klasse: Jene, die innerhalb des öffentlichen Systems mit langen Wartezeiten zurechtkommen müssen
  3. Dritte Klasse: Rund fünf Prozent der Patienten in Südtirol, die sich notwendige Behandlungen aus Einkommensgründen nicht leisten können

Die bisherigen Maßnahmen zeigen laut Robin keine durchschlagende Wirkung. Der Verein stellt die Führungsverantwortung von Gesundheitslandesrat Messner und SABES-Generaldirektor Josef Kofler infrage. Robin fordert:

  • Verbindliche Einhaltung der gesetzlichen Wartezeiten, insbesondere bei B-Prioritär
  • Monatliche transparente Veröffentlichung der Wartezeiten
  • Externe Organisationsanalyse mit messbaren Verbesserungsfristen
  • Klare personelle und politische Verantwortung bei Nichterreichung der Zielwerte

Zehn Milliarden Euro privat

Geschäftsführer Walther Andreaus kommentiert: „In Italien zahlen Patienten jährlich rund zehn Milliarden Euro aus eigener Tasche, weil die Wartelisten zu lang sind. Jede zweite Visite und jede dritte diagnostische Untersuchung wird privat finanziert.“ Für Robin sind die Zahlen 2025 kein Betriebsunfall, sondern ein strukturelles Problem.

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