10.000 Unterschriften gegen Aufweichung des Bettenstopps

Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes, und Elisabeth Ladinser, Vorsitzende des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz, erinnerten daran, dass die Bettenzahl seit Einführung der Verordnung 2022 von rund 235.000 auf nahezu 268.000 gestiegen ist. Von einem klaren Stopp könne daher bislang keine Rede sein. Eine weitere Verlängerung oder selektive Ausnahmeregelung würde das Instrument faktisch entkernen.
In stark touristisch geprägten Gemeinden steigen Grundstücks- und Mietpreise weiter an, Wohnraum wird knapp. „Eine Politik, die weiteres Bettenwachstum ermöglicht, ohne die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt mitzudenken, verschärft soziale Spannungen“, so Plaikner. Ladinser ergänzt: „Der Bettenstopp ist auch ein Instrument der Raumordnung. Wenn wir den sparsamen Umgang mit Grund und Boden ernst nehmen, können wir nicht gleichzeitig immer neue Tourismuskapazitäten schaffen.“
Ruth Heidingsfelder von Climate Action South Tyrol stellte die klimapolitische Dimension in den Mittelpunkt: Der Klimaplan Südtirol 2040 sieht eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs, der CO₂-Emissionen sowie des Personenverkehrs vor. Eine Ausweitung der Bettenkapazitäten wirke diesen Zielen aber entgegen. Rund neun Millionen Gästeankünfte pro Jahr, wovon 78 bis 84 Prozent mit dem privaten Pkw kommen, bedeuten bereits heute erhebliche Verkehrsbelastungen, betont sie. Mehr Betten führen zu mehr Anreisen, mehr Mobilität, höherem Energieverbrauch und steigenden Emissionen. „Während die Bevölkerung zu Energieeinsparungen aufgefordert wird, würde im tourismusintensiven Kernsektor weiteres Wachstum ermöglicht. Das untergräbt die Glaubwürdigkeit der Klimapolitik“, so Heidingsfelder. Luigi Casanova, Präsident von Mountain Wilderness, warnt vor den Auswirkungen auf sensible alpine Landschaften. Neue oder erweiterte Tourismuszonen ziehen zusätzliche Infrastruktur nach sich, etwa Zufahrtsstraßen und Parkplätze. Der Druck auf sensible Ökosysteme wachse kontinuierlich. Auch der Alpenverein Südtirol und der CAI Alto Adige unterstützen diese Einschätzung.
Kritik an Ausnahmen für „strukturschwache“ Gemeinden
Sehr kritisch sehen die Verbände die geplante Möglichkeit, in sogenannten strukturschwachen Gemeinden Ausnahmen vom Bettenstopp zuzulassen. Unter den als strukturschwach geführten Gemeinden finden sich mehrere Orte, die durchaus als tourismusintensiv gelten können. Als Beispiel nennen die Verbände Lüsen, wo große Hotelanlagen entstanden sind. Rund die Hälfte der Südtiroler Gemeinden gilt als strukturschwach, eine pauschale Ausweitung der Ausnahmeregelung könnte den Bettenstopp faktisch aushebeln.
Die Verbände appellieren an die Landesregierung, am Bettenstopp festzuhalten. „Der Bettenstopp ist ein zentrales Steuerungsinstrument. Wer ihn aufweicht, stellt zentrale Leitlinien der Landespolitik infrage – vom Klimaplan bis zum sparsamen Umgang mit Grund und Boden“, so die Organisationen.






