Studie zeigt mangelndes Problembewusstsein bei Adipositas

Die österreichische Stichprobe setzte sich aus 205 Menschen mit Adipositas und 795 Menschen ohne diese Erkrankung zusammen. Positiv vermerkt wurde der Umstand, dass sich adipöse Menschen in Österreich seltener selbst die Schuld an ihrem Übergewicht als der weltweite Durchschnitt geben, das sei ein Schritt in Richtung Abbau von Stigmatisierung. Jedoch empfanden nur 57 Prozent der Betroffenen ihr krankhaftes Übergewicht als medizinisches Problem – gegenüber 71 Prozent weltweit. So verwundert es auch nicht, dass nur jeder vierte Betroffene (26 Prozent) berichtete, im vergangenen Jahr wegen ihres Gewichts einen Arzt aufgesucht zu haben.
Nur die Hälfte (51 Prozent) der adipösen Menschen in Österreich gab an, ihr Übergewicht sei „vermeidbar und von persönlichen Entscheidungen abhängig“, was unter dem Durchschnitt von allen 14 untersuchten Ländern liegt, wo 66 Prozent diese Angaben machten. Auch die Überzeugung, dass Veränderungen der Lebensweise das Problem lösen können, war verbreitet. Nur die Hälfte (50 Prozent) war der Ansicht, dass „bei den meisten Menschen eine gute Ernährung und Sport ausreichen, um Adipositas zu besiegen“ – weltweit bejahten fast zwei Drittel (63 Prozent) diese Meinung.
Wissenslücken über gesundheitliche Folgen
Was die Folgen von extremem Übergewicht betrifft, so ergaben sich hier große Wissenslücken, denn nur etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen sah einen direkten Zusammenhang zwischen Adipositas und Typ-2-Diabetes (53 Prozent), Herzerkrankungen (52 Prozent) – und was bestimmte Krebsarten betrifft, so belief sich dieser Wert hier sogar nur bei 17 Prozent.
Trotzdem gaben wiederum 84 Prozent der Befragten an, dass sich ihr Gewicht negativ auf ihre Zufriedenheit mit ihrer körperlichen Gesundheit auswirkt, und Menschen mit Adipositas waren in Österreich 21 Prozentpunkte weniger zufrieden mit ihrer körperlichen Gesundheit als Menschen ohne diese – im globalen Schnitt betrug die Differenz 19 Prozentpunkte. Die negative Auswirkung des Gewichts auf die körperliche Aktivität bzw. Fitness (86 Prozent) sowie Ernährung und Essgewohnheiten (84 Prozent) wurde ebenfalls in einem hohen Anteil bejaht.
Komplexe chronische Krankheit
Roberto Cortese, der die Monitor-Studien zu Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen leitet, stellte in seinem Resümee für den Umgang mit Adipositas in Österreich „eine fehlende Inanspruchnahme medizinischer Hilfe“ fest.
Der Welt-Adipositas-Tag biete die Möglichkeit, „das Narrativ umzuschreiben und Adipositas in der Öffentlichkeit als eine komplexe chronische Krankheit zu präsentieren, die Aufmerksamkeit, Aufklärung und professionelle Hilfe bedarf, wie jede andere Krankheit auch.“
apa






