Matura in Sicht – Wie Südtirols Jugendliche nach der Schule weitermachen können

Studieren in Österreich/Nordtirol – Deutschsprachig, nah und beliebt
Für viele Südtiroler ist ein Studium in Österreich eine naheliegende Wahl. Besonders Innsbruck zieht zahlreiche junge Menschen an, gefolgt von Wien, Graz und Salzburg. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Unterricht erfolgt auf Deutsch, die Nähe zur Heimat erleichtert Besuche bei Familie und Freunden, und die Studiengebühren an öffentlichen Universitäten sind vergleichsweise gering. Viele Studierende fühlen sich in Nordtirol dabei fast wie zu Hause – Sprache, Kultur und Lebensart sind Südtirol gleich, sodass der Übergang leicht fällt und das Studentenleben schnell vertraut wird.
Herausfordernd bleiben jedoch die hohen Wohnkosten in den Universitätsstädten und die starke Konkurrenz um begehrte Studienplätze. Beliebte Fachrichtungen für Südtiroler Studierende sind Pädagogik, Sozial- und Geisteswissenschaften, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Wirtschaft und Recht.
Trends bei Studienrichtungen und Studienorten
Dass viele Südtiroler ein Studium in der Nähe wählen sieht man auch an einer Statistik der ASTAT aus dem Studienjahr 2023/24 wählt rund ein Drittel der Studierenden einen Studienort direkt in Südtirol, weitere 10 % bevorzugen Welschtirol. Etwa ebenso viele Südtiroler zieht es nach Österreich, insbesondere an öffentliche Universitäten wie Innsbruck, wobei die Zahl der Studierenden in Österreich in den letzten Jahren leicht gestiegen ist. Studienorte in Deutschland, insbesondere Bayern sind zudem eine beliebte Wahl bei Südtirols Jugend.
Bei der Wahl der Studienrichtungen zeigen sich klare Trends: Frauen entscheiden sich häufiger für Pädagogik, Gesundheits- und sozialwissenschaftliche Fächer, während Männer überwiegend technische, naturwissenschaftliche oder wirtschaftliche Studienrichtungen wählen. Besonders beliebt sind bei männlichen Studierenden die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik).
Ergänzend zeigt sich bei der Studienaufnahme nach der Matura, dass mehr Frauen ein Universitätsstudium beginnen als Männer(Statistik bezieht sich auf Universitäten in Österreich oder Italien): Von 100 Maturantinnen des Schuljahres 2022/23 haben sich 58,3 für ein Studium entschieden, bei den männlichen Maturanten waren es 48,9. Auch bei der Wahl des Studienlandes zeigen sich Unterschiede: 34,2 % der Frauen studieren in Italien, 24,1 % in Österreich, während bei den Männern 28,3 % Italien und 20,6 % Österreich wählen.
Gap Year, Ausbildung und direkte Berufseinstiege
Nicht jeder Maturant entscheidet sich direkt für ein Studium. Viele nutzen die Zeit zwischen Schule und Studium, um Erfahrungen zu sammeln, Orientierung zu gewinnen und eigene Interessen zu vertiefen.
Gap Year / Auslandsaufenthalte: Praktika, Sprachreisen oder freiwillige Dienste im In- und Ausland ermöglichen selbstständiges Arbeiten, fördern Verantwortung und entwickeln Soft Skills. Programme wie Erasmus+, Work & Travel oder Freiwilligendienste helfen zudem, die spätere Studien- oder Berufswahl bewusster zu treffen.
Ausbildung / Lehre: Technische Berufe, Handwerk oder duale Ausbildungswege verbinden Lernen und Arbeiten. Vorteile sind praxisnahe Erfahrung, ein Einkommen während der Ausbildungszeit und häufig der direkte Einstieg in den Beruf.
Direkter Einstieg ins Berufsleben: Besonders chancenreich sind Bereiche wie Tourismus, Verwaltung, Pflege oder IT. Wer den direkten Einstieg wählt, kann parallel Weiterbildungskurse oder Abendprogramme nutzen, um langfristige Karriereziele zu verfolgen.
Alle Alternativen bieten die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln, persönliche Interessen zu entdecken und die Entscheidung für Studium oder Beruf bewusst zu treffen.
UT24 hat bei Maturanten nachgefragt
Die Welt als Buch entdecken
Ein Maturant eines Gymnasiums in Brixen plant, nach dem Schulabschluss zunächst auf Reisen zu gehen. Für ihn ist das eine bewusste Entscheidung. „Die Welt ist wie ein Buch, und wer nicht reist, hat nur die erste Seite dieses Buches gelesen“, sagt er. An diesem Zitat orientiere er sich. Gerade in jungen Jahren und voller Energie sei es wichtig, die Welt zu sehen und zu erleben, weil Reisen den Charakter stärke und persönlich weiterbringe. Konkret wird er mehrere Monate nach Griechenland gehen und dort als Sportanimateur in einem Hotel arbeiten. Danach soll es gleich weitergehen, wo genau hin weiß er noch nicht. „Ich freue mich schon darauf, neue Leute kennenzulernen und einfach mal ganz andere Erfahrungen zu sammeln“, erzählt er. Für ihn steht fest: Zuerst Erfahrungen sammeln, neue Menschen kennenlernen und die Welt entdecken.
Gap Year als Sprungbrett
Auch eine Maturantin des Realgymnasiums Bozen setzt nach der Matura auf ein Gap Year. „Ich möchte ein Jahr reisen, bevor ich mit dem Studium beginne. Ich finde, man sollte die Chance nutzen, solange man jung ist“, erklärt sie. Sie plant, die Welt zu sehen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln, bevor sie Psychologie an der „Sigmund Freud“ Privatuniversität in Wien studieren möchte. Zusätzlich bereitet sie sich auf die Aufnahmeprüfungen für das Psychologiestudium an öffentlichen Universitäten in Wien oder Innsbruck vor, um mehrere Optionen offen zu halten. „Nach diesem Jahr will ich wirklich starten, egal ob an der Privatuni oder an der öffentlichen Universität“, fügt sie hinzu.
Warum Psychologie? „Ich finde, es gibt nichts Interessanteres, als Menschen wirklich zu verstehen“, sagt sie. Sie fasziniert vor allem, wie Psychologie Körper und Geist miteinander verbindet. Für sie ist das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Körper besonders spannend. „Das Gehirn ist so komplex, und es ist faszinierend zu sehen, wie viele Faktoren unser Verhalten und Erleben beeinflussen“, ergänzt sie. Für sie ist klar: Psychologie verbindet wissenschaftliches Interesse mit dem Wunsch, Menschen zu verstehen und zu helfen, und genau das möchte sie studieren.
Studium in Innsbruck – nah an der Heimat
Ein weiterer Maturant aus einem Gymnasium in Brixen plant hingegen, direkt nach der Matura zu studieren. Er möchte einen Wirtschaftsstudiengang beginnen, da ihn wirtschaftliche Zusammenhänge sehr interessieren. „Wirtschaft ist ein allgemein gutes Studienfach, bei dem man viel Wissen fürs Leben bekommt und später viele Möglichkeiten offen hat“, erklärt er. Er möchte am liebsten in Innsbruck studieren, weil er dort öfter nach Hause kommen kann und die Stadt sowie die Menschen ihm sehr gefallen. „Innsbruck liegt in Tirol, also zu Hause“, sagt er. Für ihn ist klar: Nach der Matura geht es direkt ins Studium, um schnell die nächsten Schritte in seiner beruflichen Zukunft zu machen.
Orientierung ist entscheidend
Ob Studium, ein Gap Year, Ausbildung oder direkter Berufseinstieg – jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. Wer sich jetzt schon informiert, kann Fristen einhalten, Studien- oder Ausbildungsorte auswählen und die Zeit nach der Matura bewusst gestalten. Die Wahl hängt von Interessen, Sprachkenntnissen, finanziellen Möglichkeiten- aber auch für viele Nähe zur Heimat ab. Praktische Erfahrungen, Auslandserfahrungen oder eine Ausbildung können genauso wertvoll sein wie ein Studium und helfen, den persönlichen Weg zu finden.






