von mmh 02.03.2026 12:32 Uhr

Bürokratie statt Behandlung: Kritik am Südtiroler Sanitätsbetrieb

Der Südtiroler Sanitätsbetrieb steht erneut in der Kritik. Hintergrund sind Abläufe rund um sogenannte Konventionen mit privaten Einrichtungen, die laut Kritikern zu unnötiger Bürokratie, Doppelgleisigkeiten und wachsender Unzufriedenheit bei Patienten führen.

Dr. Andreas Tutzer, Mitglied im Hauptausschuss der Süd-Tiroler Freiheit (Bild: STF)

Unvollständige Maßnahmen und fragmentierte Abläufe

Medizinische Leistungen, die öffentlich nicht mehr erbracht werden können, werden systematisch an private Kliniken ausgelagert und im Rahmen von „Konventionen“ an private Träger vergeben. Doch genau dieses System sorgt nach Einschätzung der Kritiker für Ineffizienz: Entscheidungen würden zwar formal getroffen, aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Maßnahmen griffen nur teilweise, Verantwortlichkeiten blieben auf halber Strecke hängen und die praktische Umsetzung führe zu Umwegen und neuen Problemen.

Im Bereich der Orthopädie zeigt sich die Problematik besonders deutlich. Private, konventionierte Einrichtungen dürfen häufig lediglich Erstvisiten durchführen. Rezepte und Verschreibungen für weiterführende Maßnahmen – etwa Diagnostik, Therapien oder Medikamente – dürfen sie jedoch nicht ausstellen. Patienten sind daher gezwungen, im Anschluss ihren Hausarzt aufzusuchen, damit dieser die entsprechenden Verordnungen auf Empfehlung des Orthopäden ausstellt. Hausärzte würden dadurch faktisch zu „Zettelschreibern“.

Erstvisite – und dann wieder zurück zum Start

Noch gravierender wird die Situation, wenn im Rahmen einer konventionierten Erstvisite festgestellt wird, dass eine Operation notwendig ist, der private Träger diesen Eingriff jedoch nicht durchführen darf, weil er nicht auf der Liste der konventionierten Leistungen steht. In solchen Fällen war die Erstvisite faktisch umsonst: Betroffene müssen sich erneut um eine Visite im öffentlichen Krankenhaus bemühen, um schließlich dort operiert zu werden. Wertvolle Zeit geht verloren, Wartezeiten verlängern sich weiter, und der bürokratische Aufwand steigt.

Dieses System schickt Patienten im Kreis, schafft zusätzliche Verwaltungsschritte und produziert vermeidbare Kosten. Nicht selten reagieren Betroffene enttäuscht oder verärgert, wenn sie feststellen, dass sie trotz bereits erfolgter fachärztlicher Untersuchung wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren müssen.

Dr. Andreas Tutzer, Orthopäde in Bozen und Mitglied im Hauptausschuss der Süd-Tiroler Freiheit, führt konventionierte orthopädische Leistungen durch. Er sehe sich ständig damit konfrontiert, Patienten nicht vollständig betreuen zu können. Nicht selten, so beklagt er, seien Patienten den Tränen nahe oder würden fassungslos den Kopf schütteln, wenn sie mit dieser Situation konfrontiert werden.

Anstatt durchgängige Behandlungspfade zu schaffen, entstehe ein fragmentiertes System mit eingeschränkten Kompetenzen, das weder patientenorientiert noch effizient sei. Gefordert werden daher strukturelle Reformen mit Fokus auf eine kontinuierliche, unbürokratische und qualitativ hochwertige Versorgung.

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