Viele glauben, sie können mit Geld umgehen

Über 2.000 Menschen aus ganz Italien haben bei einer Umfrage teilgenommen. Durchgeführt wurde sie von sechs nationalen Verbraucherverbänden, darunter auch die Verbraucherzentrale Südtirol. Das Ergebnis: Viele überschätzen ihre Finanzkenntnisse massiv.
83 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sie gut oder sehr gut mit Geld umgehen können. Doch die Realität sieht anders aus: Bei konkreten Fragen zeigen sich erhebliche Wissenslücken, berichtet die Verbraucherzentrale Südtirol. Zwar geben knapp die Hälfte an, ihre Einnahmen und Ausgaben stets zu kontrollieren, aber die tatsächlichen Fähigkeiten liegen deutlich unter der Selbsteinschätzung.
„Kaufe jetzt, zahle später“ boomt bei den Jungen
Besonders alarmierend sei die Entwicklung bei jungen Menschen. 44 Prozent der 18- bis 24-Jährigen nutzen „Buy Now Pay Later“-Angebote, also Käufe auf Raten ohne klassischen Kredit. Bei den 25- bis 35-Jährigen sind es noch 34 Prozent. Insgesamt greift bereits jeder fünfte auf diese Zahlungsform zurück. Das Problem: 30 Prozent kennen die Risiken dieser Angebote nicht. Nur 17 Prozent fühlen sich vollständig informiert. Dabei können die versteckten Kosten und die Verschuldungsgefahr erheblich sein.
Auch bei der Finanzverwaltung hapert es bei den Jungen: Nur die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen führt systematisch Buch über Einnahmen und Ausgaben. Bei den über 65-Jährigen sind es dagegen 77 Prozent. Und nur jeder fünfte unter 35 Jahren versteht die Vertragsbedingungen von Krediten und Karten ohne Schwierigkeiten.
Angst vor digitalem Betrug weit verbreitet
Die Digitalisierung verunsichert viele. Nur 20 Prozent fühlen sich im Umgang mit digitalen Zahlungen sehr sicher. Mehr als 70 Prozent haben große Angst vor Online-Betrug. Viele können auch nicht zwischen Kreditkarte und Debitkarte unterscheiden. Auch bei Mikrotransaktionen in Spielen gibt es Probleme: 13 Prozent der Haushalte sind davon betroffen. Drei Viertel halten solche Ausgaben für riskant, wenn sie nicht kontrolliert werden.
Starkes Nord-Süd-Gefälle
Die Umfrage zeigt deutliche regionale Unterschiede. Die Fähigkeit, unerwartete Ausgaben zu bewältigen, ist im Norden am höchsten: Dort schaffen es 53,5 Prozent. In Mittelitalien sind es nur noch 36 Prozent, auf den Inseln 35 Prozent. Im Süden können gerade einmal 24 Prozent eine unvorhergesehene Rechnung stemmen. Auch das Einkommen spielt eine große Rolle: Bei einem Jahreseinkommen über 50.000 Euro fühlen sich 31 Prozent sehr gut vorbereitet im Umgang mit Krediten und Karten. Verdient jemand weniger als 15.000 Euro im Jahr, sind es nur 15 Prozent.
Frauen trauen sich weniger zu
Auch zwischen Männern und Frauen gibt es Unterschiede: 53 Prozent der Männer schätzen ihre Finanzkompetenz als hoch ein, bei den Frauen sind es nur 44 Prozent. Bei der Frage, wer sich im Umgang mit Krediten und Karten sehr gut vorbereitet fühlt, ist der Unterschied noch größer: 20 Prozent der Männer, aber nur 12 Prozent der Frauen.
Finanzbildung in Schulen gefordert
Knapp 65 Prozent fordern Finanzbildung bereits in der Schule. Fast die Hälfte wünscht sich Kurse für Erwachsene. 46 Prozent verlangen mehr Transparenz von Banken und Finanzdienstleistern. Interessant: Bei der Frage nach Beratung setzen die Personen mehr auf unabhängige Organisationen des dritten Sektors als auf Kreditinstitute.
Die Verbraucherverbände fordern jetzt konkrete Schritte: Finanzbildungsprogramme besonders für junge Menschen und Frauen, Beratungsstellen bei Verbraucherverbänden, gemeinsame Aufklärungskampagnen zur Sicherheit digitaler Zahlungen und ein ständiges Koordinierungsgremium zwischen Verbänden und Institutionen.






