von mmh 26.02.2026 12:29 Uhr

Mattle nach Lawinen-Wochenende: „Eigenverantwortung ist entscheidend“

Nach einem intensiven Einsatzwochenende mit über 250 Lawinenabgängen, rund 40 Einsätzen und mehr als 500 ausgerückten Einsatzkräften hat Landeshauptmann Anton Mattle zu einer umfassenden Nachbesprechung geladen. Gemeinsam mit Sicherheitslandesrätin Astrid Mair, Vertretern von Bergrettung, Polizei, Lawinenwarndienst, Lawinenkommissionen und dem Zentrum für Krisen- und Katastrophenmanagement wurde Bilanz gezogen.

(Rechts: APA/THEMENBILD, Links: Tirols Landeshauptmann Anton Mattle - Foto: Fischler)

Für große Betroffenheit sorgt weiterhin der Verlust von zehn Menschen, die im Februar in Tirol bei Lawinenereignissen ums Leben kamen. „Jeder Verlust ist einer zu viel. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen. Diese traurige Bilanz zeigt einmal mehr, wie ernst man die Warnungen der Lawinenkommissionen und des Lawinenwarndienstes nehmen muss“, betont Sicherheitslandesrätin Mair.

Landeshauptmann Mattle richtet einen klaren Appell an Bevölkerung und Gäste: „Tirol ist ein sicheres Land, die Behörden und hauptberuflichen sowie ehrenamtlichen Einsatzkräfte halten der Bevölkerung den Rücken frei. Das Land kann aber den Einheimischen und vor allem den Gästen die Eigenverantwortung nicht abnehmen.“ Wer trotz hoher Lawinengefahr und fehlender Erfahrung ins freie Gelände gehe, gefährde sich selbst und andere – insbesondere jene Einsatzkräfte, die im Ernstfall ausrücken müssen.

Auch der Landesleiter der Bergrettung Tirol, Ekkehard Wimmer, spricht von einer enormen Belastung für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Landespolizeidirektor Helmut Tomac verweist auf rund 60 alpine Einsatzereignisse allein am vergangenen Wochenende und hebt die professionelle Zusammenarbeit aller Organisationen hervor.

Warnungen millionenfach abgerufen

Die Kommunikationskanäle des Landes Tirol zur Lawinenwarnung wurden intensiv genutzt. Die Webseite des Lawinenwarndienstes wurde vergangene Woche mehr als 1,5 Millionen Mal aufgerufen. Nach der AT-Alert-Gefahreninformation schnellten die Zugriffe innerhalb kurzer Zeit um weitere 130.000 Aufrufe nach oben.

„Kaum jemand kann behaupten, er habe von der großen Lawinengefahr nichts gewusst. Vielfach mangelt es nicht an der Information, sondern am Bewusstsein und an der Akzeptanz“, erklärt Harald Riedl. Wintersportler seien angehalten, sich bereits bei der Planung über die aktuelle Situation zu informieren und ihr Verhalten entsprechend anzupassen.

Das Land Tirol will zudem verstärkt Tourismusverbände, Seilbahnbetriebe sowie Beherbergungsbetriebe einbinden, um insbesondere ausländische Gäste noch besser zu erreichen. Gespräche dazu laufen bereits.

AT-Alert erreichte rund eine Million Geräte

Erstmals wurde am vergangenen Wochenende auch der AT-Alert im Rahmen einer Gefahreninformation für eine Lawinenwarnung eingesetzt. Laut Elmar Rizzoli vom Zentrum für Krisen- und Katastrophenmanagement wurden schätzungsweise über eine Million Endgeräte erreicht.

Der AT-Alert sei jedoch kein reguläres Instrument für Lawinenwarnungen, sondern angesichts der außergewöhnlichen Gesamtlage eingesetzt worden. Die Rückmeldungen der 245 Tiroler Lawinenkommissionen zeigen ein überwiegend positives Bild. Gleichzeitig wurde die technische Verlässlichkeit offen thematisiert.

Zwar wurde die Behördenwarnung nachweislich ordnungsgemäß ausgelöst, doch ab diesem Zeitpunkt liege die technische Abwicklung bei den Mobilfunkbetreibern. Hier fehle es bislang an ausreichender Datenlage und Fehleranalyse. Die Landesregierung will sich nun mit einem Schreiben an die Mobilfunknetzbetreiber wenden und technische Gespräche aufnehmen.

Unabhängig davon bleibt das Land Tirol bei seinem bisherigen Kurs: Warnungen durch Lawinenkommissionen und Lawinenwarndienst, Informationen über Medien, die Land-Tirol-App sowie Social-Media-Kanäle sollen weiterhin zentrale Säulen der Gefahrenkommunikation bleiben.

Für Landeshauptmann Mattle steht jedoch fest: Information allein genügt nicht – entscheidend ist die Eigenverantwortung jedes Einzelnen im alpinen Raum.

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